Homöopathie bei kranken Nutztieren?

EG Hellwig, 4. Mai 2016

Homöopathie bei kranken Nutztieren? Aber bitte dem Fachmann überlassen, damit die Tiere nicht unnötig leiden

Homöopathie ist eine alternative Therapieform und findet auch mehr und mehr im Tierbereich, wie z.B. auch bei Kühen und Schweinen, besonders im Rahmen der Antibiotikaminimierung, mehr und mehr Beachtung.
Allerdings, wenn Homöopathie bei kranken Tieren eingesetzt werden soll, benötigen wir absolute Fachleute, die vor einer Behandlung eine fundierte Diagnose vor Ort am Tier stellen können. „ Nur Tierärzte der Nutztierpraxis sind aufgrund ihres über 6 Jahre dauerndes Studium der Veterinärmedizin und ihrer anschließenden tierärztlichen Berufserfahrung in der Lage, wissenschaftlich fundierte Diagnosen zu stellen“, um dann die nötigen Therapiemaßnahmen, eben auch homöopathische, durchzuführen“, so Ernst-Günther Hellwig, Fachtierarzt und Gründer und Leider der Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA) im münsterländischen Horstmar-Leer. „Als Tierarzt fühlt man sich für das kranke Tier verantwortlich und versucht Leiden und Schmerzen schnellstmöglich durch die Behandlung zu lindern, zu heilen, bzw. das Leben zu retten“, so der AVA-Chef Hellwig weiter. Und die AVA kümmert sich intensiv um Fortbildungen für Tierärzte, auch im homöopathischen Bereich.
Tierärzte müssen sehr schnell beim Tier entscheiden, ob homöopathisch und/oder antibiotisch (und Co.) behandelt werden muss, denn bei infektiösen Keimen bleibt eine Antibiose in der Regel nicht aus – es ist sogar sehr oft lebensnotwendig. Heutzutage kann man die Homöopathie sehr gut mit einer schulmedizinischen Behandlung ergänzen, was in den Tierarztpraxen mehr und mehr Beachtung findet. Damit kann den kranken Tieren schnell und erfolgreich geholfen werden; hat man aber den Infektionskeim nicht im Visier, versagen in der Regel Globuli und Co. Die Tiere müssen unnötig leiden und der Tierschutz wird komplett missachtet.Für Tierärzte gibt es eine Reihe von Fortbildungen zum Homöopathieeinsatz bei Tiere, bzw. die Kombinationen, also die Verbindung mit der Schulmedizin. Auch die Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA) bietet von Tierärzten für Tierärzte diese alternativen Heilmethoden als Fortbildung an. Das beinhaltet Tierschutz, Seuchenschutz und Zoonosenschutz und somit auch wichtige Kriterien der Volksgesundheit. Das können Tierheilpraktiker nicht bieten.
Allerdings gibt es einen sehr großen Wermutstropfen, der bisher sehr wenig Beachtung fand. Tierheilpraktiker finden mehr und mehr Zuspruch in den Schweine- und Kuhställen. Es mag ja den einen oder anderen geben, der sich gut auskennt, aber ansonsten sehen wir ganz große Mängel in den Tätigkeiten auf den landwirtschaftlichen Betrieben von Tierheilpraktikern und Tierhomöopathen. 1. Ist eine Ausbildung dieser Personen nicht staatlich geregelt. Jeder darf sich Tierheilpraktiker nennen und auch ein Schild an seine Tür anbringen. Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. 2. Jeder darf auch die Tätigkeit des Tierheilpraktikers ausüben. Das verbietet leider niemand. Die Frage ist nur, ob Tierheilpraktiker Tierärzte ersetzen können? Tierärzte haben mindestens 6 Jahre Tiermedizin an einer Universität studiert – mit allen Praktika und Prüfungen. Jeder Tierarzt weiß, was bei Infektionen, Tierseuchen, Zoonosen etc. zu tun ist. Stoffwechselkrankheiten bei Kühen z.B. sind Spezialgebiete von Rindertierärzten. Wer glaubt, Tierheilpraktiker würden die die Zusammenhänge „biochemisch und physiologisch“ kennen und beherrschen? – weit gefehlt. Tiere müssen dann leider lange leiden, sind unnötig lange krank, wenn der Landwirt den Tierheilpraktiker zuerst anfordert und nicht den Tierarzt. Und der Tierheilpraktiker kann nicht einmal entscheiden, ob das Tier überhaupt noch therapierbar ist mit all den Folgen. Leider hinkt der Tierschutz hier weit hinterher. Für Behandlungen sind Fachleute gefragt – und das sind nun einmal Tierärzte. Am Rahmen der Antibiotikaminimierung greifen Tierärzte auch immer mehr zur Homöopathie; wohlwissend, wenn schulmedizinische Behandlungen zur Rettung des Tieres gefordert sind. Und wie bereits erwähnt, ist die Stärke der Behandlung die Kombinationsmöglichkeit verschiedener Behandlungen – eben konventionell oder homöopathisch oder phytomedizinisch oder eine Kombination dieser unterschiedlichen Heilmethoden. Dies kann nur ein Tierarzt richtig entscheiden und nutzen. In Österreich kennt man das Problem mit den Tierheilpraktikern. Dort braucht man zu diesem Thema gar nicht zu diskutieren. Die Untersuchung und Behandlung von Tieren ist nur Tierärzten vorbehalten (Tierärztegesetz §12). Heilpraktiker sind Relikte aus der Nazizeit. Nach dem Krieg hat sich diese Berufsgruppe in den ehemals besetzten Ländern schnell verflüchtigt. Nur in Deutschland kann sich der Heilpraktiker-“beruf“ behaupten. Im Humanbereich müssen aufwendige staatliche Prüfungen zur Erlangung der Bezeichnung Heilpraktiker abgelegt werden – im Tiermedizinbereich, wie schon gesagt, keinerlei Wissensüberprüfung und Sachkunde. Auch sind homöopathische Arzneimittel nach dem Arzneimittelgesetz geregelt, und es gibt nur sehr wenige Arzneimittel dieser Art, die für Rind oder Schwein zugelassen sind. Reine Homöopathika darf nur der Tierarzt selbst einsetzten (umwidmen). Das gibt das Arzneimittelgesetz (AMG) vor. Und die Globuli und Co. sind Arzneimittel und können von Tierheilpraktikern nicht „verschrieben“, bzw. abgegeben werden. Kauft der Landwirt sich die Homöopathika in der Apotheke, so darf er sie aber bei den Tieren nicht selbst anwenden. Dies verstößt auch gegen das Arzneimittelgesetz. Nur vom Tierarzt abgegebene homöopathische Arzneimittel dürfen den Einsatz in der Tierheilkunde finden. Auch sind diese Behandlungen in das Bestandsbuch des Landwirtes einzutragen. Es fehlt ein Gesetz zur Ausübung der Tierheilkunde, in dem die Kompetenzen für die einzelnen Berufsgruppen (incl. Tierheilpraktiker) klar definiert werden. Selbst das Tierschutzgesetz sieht Sachkunde lt. § 11 TierSchG von Tierheilpraktikern/Behandlern nicht vor. Unbedingt müssten hier Kriterien an die Sachkunde für Tierbehandlungen durch die Politik erlassen werden, wie es die Schweiz für Tierheilpraktiker verlangt. Wenn schon Tierheilpraktiker, dann nur mit staatlich anerkannten Prüfungen, um die Tiere vor Schäden und Leiden zu schützen und die Volksgesundheit nicht zu gefährden. Nur Tierärzte können aufgrund ihrer Ausbildung entscheiden, wie Tiere erfolgreich und tierschutzgerecht behandelt werden können. Und zur Behandlung gehört eben nicht nur das auffällige Krankheitsbild, sondern 6 Jahre Tiermedizinstudium. Das hat schon einen Grund… .

Zur Information: Die Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA) mit Sitz im münsterländischen Horstmar-Leer, konnte im letzten Jahr über 4000 Fachleute in ihren Fortbildungsveranstaltungen begrüßen.
Die eigene Fachzeitschrift (NUTZTIERPRAXIS AKTUELL (NPA) mit einer Auflage von 5000 Exemplaren informiert aktuell über moderne Nutztiermedizin und Landwirtschaft.

Die Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA) wurde 2001 gegründet und ist eine Fortbildungsgesellschaft mit dem Ziel der Aus- und Weiterbildung und der Verteilung von Informationen für den landwirtschaftlichen und tiermedizinischen Bereich. Gleichzeitig ist die AVA ein Forum für Landwirte und Tierärzte, das die Herausforderungen der Produktion gesunder Nahrungsmittel in den nächsten Jahrzehnten in den Blick nimmt.

»Ziel der Agrar- und Veterinär-Akademie ist es, die Probleme der modernen, nachhaltigen Landwirtschaft und Tierhaltung zu erörtern. Wir wollen gemeinsam Wege finden, um tiergerecht, praxisbezogen und verbraucherorientiert zu arbeiten. AVA-Kurse helfen Arzneimittel einsparen«
Ernst-Günther Hellwig, Gründer und Leiter der AVA, Horstmar-Leer

Ernst-Günther Hellwig, Agrarwissenschaftler und Fachtierarzt
Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA) EG Hellwig
Dorfstraße 5 - D 48612 Horstmar-Leer
fon: +49-(0)2551- 7878 fax: +49-(0)2551-83 43 00
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Homöopathie bei kranken Nutztieren sollte man dem Tierarzt und nicht dem Tierheilpraktiker überlassen. Die Praxis zeigt dass Tiere unnötig leiden müssen, wenn nicht der Fachmann zu Hilfe geholt wird

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