Budapest ist zurück im Klub.

leaf gmbh, 4. Mai 2017

Die Börse Ungarns zählt zu den Top-Performern der letzten Zeit.

Was bedeutet die Hochstufung auf «Investment Grade» für das Land und die Märkte?
Die Hochstufung ist vor allem von grosser symbolischer Bedeutung. Sie kommt dem Eingeständnis gleich, dass Orbans «unorthodoxe Wirtschaftspolitik» doch auch Erfolge gezeitigt hat. Budapest gelang es in den vergangenen Jahren, den Staatshaushalt wieder ins Lot zu bringen, die Verschuldungsquote zu senken und das Land makroökonomisch zu stabilisieren. Nun erntet Orban immerhin den Erfolg, wieder in den Klub der Länder mit guter Bonität aufgenommen zu werden.
Auf die Finanzmärkte dürfte sich die Hochstufung kaum auswirken. Laut Analytikern in Budapest gilt der Schritt als überfällig, er ist also wohl in den Kursen am Devisen-, Anleihen- und Aktienmarkt weitgehend berücksichtigt. Besonders der Aktienmarkt in Ungarn blickt auf eine Periode starker Kursavancen zurück. Während weltweit die Minuszeichen dominieren, hat der Budapester Leitindex BUX rund 8% zugelegt. Und schon 2015 und 2016 waren ausgesprochen starke Jahre gewesen. Das sorgte international für Aufsehen – und bei den Analytikern für einige Verwunderung.

Laut ungarnexpert.com gibt es für die gute Entwicklung nicht die eine Erklärung, hinter ihr stehen wohl verschiedene Sonderfaktoren. Im Frühling 2015 kehrten offenbar ausländische Investoren nach langem Abseitsstehen wieder an den ungarischen Aktienmarkt zurück. Es herrschte schon damals die Erwartung, dass Ungarn das «Investment Grade» zurückerhalten würde. Nur bei zwei von vier Titeln, die den BUX im Wesentlichen ausmachen, gab es auch Neuigkeiten. Der Pharmakonzern Richter erhielt ein Medikament zugelassen, die Magyar Telekom versprach eine Dividende.

Zinssenkungen beflügeln die Börse.
Beflügelt wurden Ungarns Aktien von den Zinsschritten der Notenbank. Lag der Leitzins im Land vor einem Jahr noch bei 1,8 Prozent, so senkte die Zentralbank die Rate erst vor einer Woche um weitere 0,15 Prozentpunkte auf inzwischen nur noch 0,9 Prozent. Immerhin: Auf der Währungsseite herrscht seit längerem Frieden. Denn der ungarische Forint hat sich in den letzten zwölf Monaten zu Euro oder Dollar per Saldo kaum bewegt. Geringe Ausschläge in den Währungsrelationen heisst dann auch: Bessere Planbarkeit und keine negativen Effekte für ungarische Firmen aus den Wechselkursen.
Der Währungsfrieden zeigt sich so auch an Ungarns Wirtschaft. Nach einem im europäischen Vergleich doch rasanten Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr soll die Wirtschaft im Land bis 2018 zwischen 2,3 und 2,5 Prozent im Jahr wachsen. Die robuste Konjunktur zeigt sich auch am Arbeitsmarkt. Seit fünf Jahren fällt die Quote der Nichtbeschäftigten und liegt derzeit im Bereich von 4,4 Prozent.

Schulden sind kein grosses Thema mehr
Auch das Schuldenthema bekommt Ungarns Regierungschef Viktor Orbán zunehmend in den Griff. Oder vielmehr: Der Politiker hat es im Griff. Im europäischen Vergleich ist das Land damit fast ein Schulden-Musterschüler: Neuverschuldung und Schuldenquote würden fast die ursprünglichen Euro-Maastricht-Kriterien von 3,0 und 60,0 Prozent erfüllen.
Jetzt könnte es sein, dass das Land und damit die Börse sogar zusätzlichen Schub bekommen wird. Denn Ungarn hat inzwischen seine Kredite, die in den Jahren der Finanzmarktkrise aufgenommen worden waren, an den Internationalen Währungsfonds IWF zurückbezahlt.

Die Nachfrage ausländischer Investoren steigt deutlich. Ein besseres Rating geht in der Regel auch einher mit leichterem Zugang von Firmen zu Krediten. Das ermöglicht mehr Investitionen und dann im Idealfall höheres Wachstum bei tieferen Zinslasten.

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