Auf in ein Leben ohne Fixkosten

leaf gmbh, 18. Oktober 2017

Die Diessenhofer Autorin und Regisseurin Gabriele Caduff und ihr Lebenspartner, der Tonmeister Rolf Riedweg, verlassen Diessenhofen in Richtung Ungarn.

«Wenn man jetzt noch die Chance hat, sich in Richtung Selbstversorger zu bewegen, sollte man sie nutzen», betont Gabriele Caduff, die ihren Lebensmittelpunkt mit ihrem Partner in ein kleines Dörfchen nach Südungarn verlagert. «In Ungarn verstehen es die Leute noch, mit dem Leben umzugehen», bemerkt Rolf Riedweg.

Da die meisten Bewohner Donauschwaben sind, deren Vorfahren im 17. bis 19. Jahrhundert nach Ungarn ausgewandert sind, wird in der 200-Seelen-Gemeinde deutsch gesprochen. In einem Häuschen am Waldrand mit eigenem Garten, eigenem Brunnenwasser und genügend Brennholz wollen sich die beiden künftig selbst versorgen. «In Ungarn ist es uns möglich, ohne Fixkosten zu leben», weiss Gabriele Caduff. Die Lebensqualität und die Mentalität der Menschen reizt die beiden am meisten. «Das materielle Denken, wie es bei uns verbreitet ist, kennt man dort nicht, ebenso wenig die Hektik der Zivilisation», sagt Rolf Riedweg.

Keine Wirtschaft mehr

Mit dem Wegzug der Pächter des «Löwens» endet auch die Ära der Kulturstube. Bis Ende Oktober hat der «Löwen» noch täglich von 16 bis 20 Uhr geöffnet, um sich zu verabschieden und das gesamte Inventar zu verkaufen. Der Vermieter hat kein Interesse, das Gebäude weiterhin als Wirtschaft zu vermieten. Im «Löwen» hatten Gabriele Caduff und Rolf Riedweg schöne Stunden mit ihren Gästen, die meistens aus der Kulturszene kamen. Doch die Laufkundschaft fehlte.

«Der Aufwand stand in keinem Verhältnis zum Ertrag», sagt Gabriele Caduff. Im «Löwen» wurde täglich bis 14 Stunden gearbeitet und alles musste nebenher gehen. «Man kann es in der Schweiz nicht anders schaffen, höchstens wenn es subventioniert wird», bemerkt Riedweg. «Ich will endlich einmal ein Drehbuch in Ruhe schreiben», wünscht sich Caduff. Die Entscheidung haben die beiden bereits vor zwei Jahren getroffen. «Wenn die Rheinspiele nicht gewesen wären, wären wir schon längst in Ungarn», sagt Caduff, die ebenso wie ihr Lebenspartner auch weiterhin künstlerisch tätig sein will. Beide wollen in die Kurzfilmproduktion einsteigen und Auftragsarbeit für Freilichtspiele anbieten. Gabriele Caduff will in der nächsten Zeit bereits mit dem Drehbuch hinsichtlich der nächsten Rheinspiele beginnen und von Ungarn aus ein eigenes Ensemble in Diessenhofen gründen.

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