Theaterfestival Bukarest – zurück zu den Wurzeln?

PPS-Promotion-Presse-Service, 6. Dezember 2011

Das 2011 Theaterfestival Bukarest mit speziellem Fokus auf den Regisseur Andrei Serban in Verbindung mit Tschechow ist nach 10 Novembertagen und der 21. Ausgabe zur Zufriedenheit der Veranstalter und auch der meisten Besucher zu Ende gegangen. Von Shakespeare in diversen Interpretationen, dem immer noch beliebtesten Autor in Rumänien, über "The Grönholm Method" von Jordi Galcerán, "Mountainbikers" von Volker Schmidt und Albert Camus „Caligula“ war die Palette breit angelegt. So nahm auch das Tanztheater einen größeren Raum ein, das allerdings in ganz Rumänien noch weit hinter dem europäischen Stellenwert herhinkt. Dem „Theater von morgen“, das wohl den Freien gewidmet sein sollte, waren vier Stücke, dem Spot auf besondere Schauspielaktionen sechs Veranstaltungen im Kalender eingeräumt.

„10 Tage lang war Bukarest nicht nur die Hauptstadt Rumäniens, sondern auch die des Theaters des Landes.“, hieß es im Wortlaut der Abschlusserklärung.
Persönlichkeiten aus Kultur, Theatermachern und bedeutenden in- und ausländischen Festivalverantwortlichen, sowie einheimischen und ausländischen Journalisten wurden die besten Shows des rumänischen Theaters (und mehr) vorgestellt, verlautete es von der Festivalleitung unter Alice Georgescu, die in ihrem ersten Jahr gegen die enorm starke und international informierte und engagierte Cristina Modreanu anzukämpfen hatte. Letztere hatte in den vergangenen drei Festivalausgaben das nationale rumänische Theatergeschehen zusehends in den europäischen und internationalen Kontext gerückt. In 2011 fand nun eine Besinnung auf den nationalen Tenor des rumänischen Theaters statt, was jedoch äußerst nahe an das Festival nationaler Dramaturgie in Timisoara heranreicht. Hier ist sicher in Zukunft für beide Veranstalter eine neue Profilierung notwendig, will man nicht im rumänischen Theaterumfeld eingeschlossen sein und den Blick auf europäisches und internationales Geschehen verlieren.

Sicher ist es von großer Bedeutung, das Schaffen der Theatermacher in Rumänien den europäischen Veranstaltern zu präsentieren, was 2011 dem Festivalteam recht gut und wieder äußerst professionell gelang. Jedoch sollte man auch darauf achten, dass sowohl rumänischen Regisseuren wie auch Publikum der direkte Vergleich in einem solch großen und für Rumänien bedeutenden Festival vor Ort ermöglicht wird. Schon in der Landwirtschaft weiß man seit langem, dass Monokultur auf die Dauer immer kleinere Fruchterträge bringt. Ohne Namen zu nennen und niemandes Leistung schmälern zu wollen, fiel bei einigen Regisseuren der Wiederholungseffekt ins Auge. Selbst mehrfach Ausgezeichneten der mittleren und älteren Regisseur-Generation war eine gewisse Ideenmüdigkeit und das stetige Kreisen um die eigene Person anzumerken, ein Effekt, den die Besucher mit sicherem Gefühl sofort erkannten und den Profis erst recht nicht verborgen blieb.

Wie auch in den vergangenen Jahren frage ich immer und immer wieder nach den „Fauves“, den „Enfants Terribles“, den „Neuen Wilden“ in der Schreiber- und Theaterlandschaft. Es gibt sie, und ihnen gebührt mehr Raum, wenn man rumänisches Theater internationalen Gästen vorstellen will. Zeitgenössisches Theaterschaffen beinhaltet Auseinandersetzung mit dem direkten sozialem Umfeld und der aktuellen Politik, auch wenn das die staatlichen Geldgeber nicht gerne hören. Bei einem rumänischen Theaterfestival kommen diese Aspekte und deren Bearbeitung aus nationaler Sicht noch etwas zu kurz.

Der Erfolg der 2011 Festivalausgabe ist unbestritten. Die Veranstaltungen waren allesamt gut besucht, ein erstaunlicher Mix aus jung und alt. Ein hervorragend und bilingual aufbereiteter Katalog machte es den ausländischenGästen leicht, sich auf das jeweilige Stück vorzubereiten und damit auseinander zu setzen. Eine englische Übersetzung entweder via audio oder untertitelt tat das Seine. (Erst vor wenigen Jahren brachte Timosoara diese Idee nach Bukarest. Mir sind die Diskussionen um diese heutige Selbstverständlichkeit noch fest im Ohr.)

Nur eine einzige Veranstaltung spielte sich im öffentlichen Raum ab. In der Hauptmetrostation von Bukarest bewies das „Teatrul Masca“ (ein assoziierter Festivalpartner!) wie interessiert die andere Seite des Publikums ist. Hunderte hastender U-Bahnnutzer hielten täglich für mehr als 30 Minuten bei einer faszinierenden Schau aus Pantomime, Licht und Musik inne, um Theater zu erleben.

Vielleicht wird die Anregung einiger ausländischer Gäste und Theatermacher nach einem breiteren Mix von nationalem, internationalem und „jungem“ Showcase auch in neuen und alternativen Spielstätten in dieser Hinsicht ein offenes Ohr in 2012 finden.

Tags: FNT 2011, festival national de teatru Bucuresti, bucharest, Theaterfestival Bukarest, Timisoara,

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