Liberalisierung der Sportwetten in Deutschland

Der 1. Juli 2012 hat den deutschen Sportwetten Markt erheblich verändert: seit diesem Tag gilt der neue Glücksspieländerungsstaatsvertrag der Bundesländer, der eine teilweise Liberalisierung der Sportwetten zum Inhalt hat. Notwendig wurden die Änderungen durch eine Entscheidung der EU-Kommission, welche das bisherige staatliche Monopol im Glücksspiel-Bereich für unzulässig erklärte.

Der neue Vertrag sieht vor, dass insgesamt maximal 20 Lizenzen an private Wettanbieter in Deutschland vergeben werden, das umstrittenen Bewerbungsverfahren ist derzeit im Gange, im Frühjahr 2013 soll nach eingehender Prüfung der Bewerbungsunterlagen feststehen, welche Anbieter eine der begehrten Lizenzen erhalten sollen. Einige Wettanbieter, die bei der Vergabe aufgrund der Limitierung auf 20 Lizenzen leer ausgehen, werden nach Meinung von Fachleuten wohl beim Europäischen Gerichtshof klagen.

Öffnung im Bereich der Sportwetten, Monopol bei anderen Glücksspielen

Während der Bereich der Sportwetten damit zumindest teilweise für private Wettanbieter geöffnet wird, behält der Staat auch weiterhin das Monopol für andere lukrative Glücksspiele wie Lotto, Casino oder Poker. Ob dies mit EU-Recht vereinbar ist, wird sich wohl aber erst im Laufe der Zeit und nach Abschluss entsprechender Verfahren vor dem EUGH zeigen.

In Schleswig Holstein war man von Anfang an überzeugt, dass die Ungleichbehandlung der verschiedenen Glücksspielangebote nicht mit EU-Recht vereinbar ist. Das nördlichste Bundesland hat deswegen einen eigenen Weg eingeschlagen und bereits eine Reihe an Lizenzen an Wettanbieter vergeben, die auch die Erlaubnis für Produkte wie Casino und Poker beinhalten. Ob und in welcher Form diese Lizenzen allerdings tatsächlich ausgeübt werden können, ist derzeit mehr als fraglich und unklar.

Neues Gesetz bringt hohe Steuerbelastung für Wettanbieter

Mit der Öffnung des deutschen Wettmarktes geht auch ein neues Gesetz zur Besteuerung von Sportwetten einher. Seit Jahresmitte müssen die Wettanbieter 5% der Wettumsätze als Steuerleistung an den deutschen Staat abliefern. Wenn man weiß, dass die meisten privaten Wettanbieter mit gerade einmal mit rund 5% Gewinnspanne kalkulieren, liegt es auf der Hand, dass die bisher geltenden Wettbestimmungen an die neuen Gegebenheiten angepasst werden müssen.

Die neue Wettsteuer muss also – zumindest teilweise – an die Wettkunden weitergegeben werden, ansonsten würde die zu entrichtende Steuer die Erträge der Wettanbieter zum größten Teil vernichten. Die teils hohen Aufwände für Marketing, Personal, EDV etc. könnten nicht mehr abgedeckt werden, geschweige denn auf dem deutschen Markt Gewinne erzielt werden. Ein funktionierendes Geschäftsmodell verlangt also dementsprechende Änderungen bei den Wettangeboten, die bisher für den Wettkunden sehr fairen Bedingungen werden sich nun wohl flächendeckend verschlechtern.

Wettsteuer zwingt Anbieter zur Änderung der Wettbedingungen

Die meisten Wettanbieter haben bereits auf die neue Situation reagiert und verrechnen die Wettsteuer an die Kunden weiter. Dabei haben sich bisher zwei unterschiedliche Modelle etabliert. Die Steuer wird entweder gleich bei der Wettabgabe vom Wetteinsatz abgezogen, oder aber die erzielten Wettgewinne werden mit 5% besteuert, der Reingewinn für erfolgreiche Wetten wird somit um die Steuerbelastung reduziert.

Mittlerweile sind auch schon einige kreative Modelle im Umgang mit der Wettsteuer am Markt zu beobachten, welche dem Kunden die Möglichkeit geben sollen, möglichst dezent von der neuen Steuer in Beschlag genommen zu werden. So sind beispielsweise die Sportwetten bei Interwetten weiterhin steuerfrei, wenn eine Wettquote von 3:1 oder höher gewählt wird. Lediglich Wetten mit Quoten von unter 3:1 sind bei Interwetten steuerpflichtig. Auch verlorene Wetten sind bei Interwetten in jedem Fall steuerfrei, nur bei gewonnenen Wetten mit einer Quote von unter 3:1 wird die Wettsteuer in Höhe von 5% fällig.

Ein ähnliches Modell ist auch beim britischen Wettanbieter Sportingbet zu finden. Hier werden nur Einzelwetten besteuert, Kombiwetten mit einer definierten Mindestquote sind sowohl beim Wetteinsatz, als auch beim Wettgewinn für den Kunden in Deutschland steuerfrei. Hintergrund dieser Maßnahmen ist es, dass Kombiwetten und Wetten mit höheren Quoten in der Regel höhere Gewinnmargen bringen. So könnte es dann möglich sein, trotz der Steuerbelastung gewinnbringend in Deutschland Sportwetten anzubieten.