Teamwork der Delphine bei der modernen Jagd nach Beute
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Pressemeldung von:
Green Ocean
Über einen Zeitraum von 36 Monaten wurden von der MS Thales und ihrer Crew 256 Delphinbeobachtungen festgehalten und ausgewertet. Insgesamt wurden 6 Gruppenverbände, mit unterschiedlichen Größen und Jagdrevieren vorgefunden. Gruppe A und Gruppe C, deren Verhalten hier näher beschrieben wird, leben ent-lang der toskanischen Küste, vor Livorno.
Gruppe A besteht aus 12 Einzeltieren, Stenellena Striata, (2 etwa 4 bis 6 Jahre alte Bullen, 4 Weibchen mit Jungtieren, und 2 Jungtieren (geb.2003) und geht auf Beutesuche im Sedimentbecken des Arno. Gruppe C besteht aus 19 Einzeltieren, ebenfalls Stenellena Striata, (1 Bulle ca. 6 Jahre, 5 Jungetiere 2003, 3 Weibchen mit Jungtieren, und 7 Jungtieren unbe-kannten Alters), und geht auf Beutesuche im, von Vulkangestein (Secca di Mello-ria) und Korallen eingegrenzten Sedimentbecken vor dem Hafen von Livorno.
Im Zeitraum von März bis Juni kommen Schulen von Mittelmeermakrelen (Fami-lie Scombridae, der auch der Thunfisch angehört) in die, von Posidonia einge-säumten, Sedimentebenen, um nach kleinen Krebstieren und Zooplankton zu ja-gen. Auf dieser Nahrungssuche werden die Makrelen von den lokalen Fischern schon seit Generationen sehnsüchtig erwartet. Delphingruppen nützen diese Ansammlung der Scombridae um ebenfalls an der reichlichen Ernte des schmackhaften Fisches teilzunehmen. Beginnend im Jahre 2001 konnten wir aber eine deutliche Anpassung der Jagdmethoden der Delphine beobachten und dokumentieren: Delphingruppen A und C, die ihr Jagdrevier mit einer großen Anzahl der lokalen Fischer teilen müssen, hatten lange Jahre die Gelegenheit Fischer zu beobach-ten. Fischer und Delphine treffen zur gleichen Zeit im Fanggebiet ein. Die Fischer beginnen am Boden verankerte Netze zu legen. Diese Netze, mit einer durch-schnittlichen Maschengröße von 5 x 5 cm (Länge bis zu 50 m und Höhe 2 bis 4m), werden nun von den Fischern ausgelegt. Die Delphine halten sich, während dem Auslegen der Netze, in einer Distanz von 2 bis 3 NM, verbleiben aber in eindeutigem Sichtkontakt. Ein Tier, meist einer der älteren Bullen, beobachtet eingehend die Vorgehensweise der Fischer. Der Rest der Gruppe verhält sich abwartend, spielend und ist sichtlich abwartend. Nachdem die Fischer ihr Netz ausgelegt haben wird der beobachtende Bulle sichtlich unruhig, und sammelt die Gruppe mit Laut- und Sichtsignalen (Rufen, richtungweisendem Springen etc.). Ein Alttier, meist selbst eine Mutter, in Be-gleitung von einem oder zwei Jungtieren des Vorjahres, übernimmt den „Kinder-garten“, in dem alle jungen Delphine verbleiben. Die restliche Gruppe bewegt sich nun geschlossen auf das Netz zu. Ca. 2 NM vor dem Netz teilt sich die Gruppe in 3 kleinere Gruppen, die nun offensichtlich (durch Unterwasserbeobachtungen bestätigt) Makrelenschwärme vor sich her treiben. Makrelen werden nun in Rich-tung der Netze getrieben. Vor den Netzen schrecken die Fische zurück und der Schwarm geht in eine stationäre Spiralenbewegung über. Einzeln kommen nun die Delphine, in einer Bahn als Tangente zum Makrelenschwarm, aus der Schule und beginnen einzelne Makrelen am Schwarmrand zu fangen. Die Delphine wechseln sich als Jäger ab, bis der Hunger der Tiere gestillt ist. Als grobe Schätzung werden pro erwachsenen Tier ca. 12 bis 15 kg Makrelen gejagt und gefressen. Ein großer Teil der Fische verhängt sich, bedingt durch die Spiralenbewegung des Schwarms, auch im Netz. Oftmals kommt es vor, dass die Delphine am Ende der Jagd, nachdem die Makrelen den Delphinen und der Absperrung durch die Netze, entkommen sind, nun auch die im Netz gefangenen Makrelen „pflücken“. Es ist schon seit vielen Jahren bekannt und nachgewiesen, dass Delphine bei ih-rer Jagd nach Fischen natürliche Barrieren, wie Untiefen, Riefe, Felsküsten usw. als Begrenzung in ihre Jagdstrategie verwenden um ihre Jagd effektiver zu ge-stallten und Energie zu sparen. Neu ist nun allerdings die Beobachtung vor Livorno, dass die Delphine auch die Netze von Fischern als Begrenzung verwenden. Durch diese zusätzliche Begrenzung sinkt der Energieaufwand der Delphine deutlich und die Jagd wird zeitlich von Stunden auf Minuten begrenzt. Die Lern-fähigkeit der Delphine ist enorm. Der Delphin in dieser Region hat über die Jah-re gelernt die Fischer zu beobachten und die Barrieren der Fischer, die Netze, für seine eigene Jagd zu benützen. Für die örtlichen Delphine eine deutliche Win-Win Situation. Zeitlich lässt sich dieser Lernvorgang leider nur sehr schwer eingrenzen. Von der Crew der MS Thales wurde dieses Verhalten erstmals 2001 miterlebt. Die örtlichen Fischer erzählen von diesem neuen Verhalten der Delphine erst seit dem Jahre 2002. Wir können leider nur über den Zeitraum spekulieren, ab dem die Delphine begonnen haben die Netze der Fischer mit in ihre Jagdmethoden ein zu bauen. Manche Fischer der Region haben ebenfalls dazu gelernt und beobachten schon vor dem Setzen der Netze die Delphine, um den ungefähren Standort der Mak-relenschwärme zu erahnen. Die Fischer entfernen sich auch nur wenige Meilen von ihren Netzen um frühzeitig wieder zu den Netzen zurückzukehren – bevor die Delphine die, in den Netzen gefangenen, Fische räubern. In diesem Fall pro-fitieren Fischer und Delphine von dem neu erlernten Verhalten. Andere Fischer, scheinbar unbeeindruckt von den Fähigkeiten der Delphine, set-zen ihre Netze willkürlich und verlassen danach das Gebiet, kehren erst nach längerer Zeit zu den leeren Netzen zurück. Natürlich ist diese Gruppe der Fi-scher sehr verärgert und sieht den Delphin als gefräßigen Räuber, der den Mensch um „seinen“ Fisch – und somit die Früchte mühsamer Arbeit - betrügt. R.Groitl Dip.E.D. Oceanography ©Green Ocean (15.05.2005)
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