Rio im Samba- und Silikonfieber - Rio de Janeiro (dpa) - Ausnahmezustand am Zuckerhut: Farbige Kostüme, heiße Rhythmen und viel nackte Haut haben einheimische Narren und Tausende Ausländer in Rio de Janeiro zum Auftakt der weltberühmten Karnevalsumzüge begeistert. «Hier wird das Leben gefeiert», sagte sichtlich bewegt US-Musikproduzent Quincy Jones, der mit 73 Jahren Sambaschritte wagte. Rudi aus Bremen schlief am Montag seinen Begeisterungs- und Alkoholrausch auf den Tribünen des Sambódromo-Stadions im Zentrum der brasilianischen Metropole aus. «Mensch, ich habe noch nie so etwas erlebt, noch nie, noch nie», stammelte er immer wieder. Bis zum frühen Montagmorgen (Ortszeit) waren zuvor die ersten sechs von insgesamt 13 der so genannten Samba-Schulen durch das 1984 von Stararchitekt Oscar Niemeyer gebaute Sambastadion defiliert.
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Rio im Samba- und Silikonfieber

2007/02/19 15:34

Pressemeldung von:
ANCOSO Development GmbH
Rio de Janeiro (dpa) - Ausnahmezustand am Zuckerhut: Farbige Kostüme, heiße
Rhythmen und viel nackte Haut haben einheimische Narren und Tausende Ausländer in Rio de Janeiro zum Auftakt der weltberühmten Karnevalsumzüge begeistert. «Hier wird das Leben gefeiert», sagte sichtlich bewegt US-Musikproduzent Quincy Jones, der mit 73 Jahren Sambaschritte wagte.

Rudi aus Bremen schlief am Montag seinen Begeisterungs- und Alkoholrausch auf den Tribünen des Sambódromo-Stadions im Zentrum der brasilianischen Metropole aus. «Mensch, ich habe noch nie so etwas erlebt, noch
Rio im Samba- und Silikonfieber
In Rio steigt die "größte Party der Welt".
nie, noch nie», stammelte er immer wieder.

Bis zum frühen Montagmorgen (Ortszeit) waren zuvor die ersten sechs von insgesamt 13 der so genannten Samba-Schulen durch das 1984 von Stararchitekt Oscar Niemeyer gebaute Sambastadion defiliert. Die spektakulären Allegoriewagen boten den rund 85 000 Zuschauern eine Reise um die Welt. Es gab unter anderem Nachbildungen der Kathedrale Notre Dame in Paris und des römischen Kolosseums. Die Sambaschule «Estacio de Sa» wurde von einem US-Kaugummi-Hersteller gesponsert und zeigte eine mehrere Meter hohe Nachbildung der New Yorker Freiheitsstatue, die 800 000 Kaugummibonbon schmückten.

«Die Zuschauer wurden vom Umzug in den Wahnsinn getrieben», stellte das Nachrichtenportal G1 fest. Die Straßen Rios waren wie leergefegt. Millionen verfolgten die Parade vor dem Fernsehgerät zu Hause, in Kneipen und Vereinen. Jede Schule präsentierte sich mit bis zu 5000 Mitgliedern - darunter vorwiegend Slumbewohner, aber auch Sport- und Show-Stars, Politiker und Touristen - knapp eineinhalb Stunden lang. Die prächtigen Kostüme sind bis zu 20 000 Euro teuer und bis zu 25 Kilogramm schwer. Bei mehr als 30 Grad fielen einige Umzugsteilnehmer in Ohnmacht.

Ein Silikon-Fieber machte derweil die Zeitung «Folha de Sao Paulo» bei vielen der prominenten und weniger prominenten Karnevalsteilnehmerinnen aus. «Ich habe schon 500 Milliliter, aber zum nächsten Karneval packe ich wohl noch etwas drauf», sagte die 25- jährige Evelyn Miguel, die bald einen Stuttgarter heiraten wird. Stolz zeigte auch die brasilianische Schauspielerin Viviane Araujo ihre Brüste. «Ich habe ganz wenig, nur 220 Milliliter.»

Neben Körperkult stehen in diesem Jahr beim brasilianischen Karneval auch die Proteste gegen die zunehmende Kriminalität im Vordergrund. Am ersten Paradetag in Rio gedachten fast alle Samba- Schulen des vor eineinhalb Wochen brutal ermordeten Joao. Der Sechsjährige war von Autoräubern 20 Minuten über den Asphalt mitgeschleift worden. Die Kriminalität war auch beim Karneval präsent. Eine 41-jährige Mutter dreier Kinder wurde am Sonntag in Rio bei einem Straßenumzug überfahren. Sie war auf der Stelle tot. Der Unfallfahrer flüchtete. Mehrere Touristen aus China und Kanada wurden in Rio Opfer von Raubüberfällen. Tausende Beamte werden bis zum Mittwoch auf Sonderpatrouille geschickt. Die Behörden erwarteten insgesamt 700 000 Touristen aus dem In- und Ausland.



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