Porträt: Dmitri Medwedew
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ANCOSO Development GmbH
Wenn Dmitri Medwedew im Kreml den Amtseid als Russlands neuer Präsident ablegt, dürfte er unter den politischen Ehrengästen viele langjährige Bekannte entdecken. Zwar ist der 42-Jährige dann das jüngste Staatsoberhaupt des Landes seit der Zarenzeit. Von einer Zäsur kann trotzdem keine Rede sein. Denn bereits seit Jahren spielt Medwedew eine große Rolle in der Moskauer Führung. So sprechen politische Beobachter auch eher von einer Machtteilung als von einem Kurswechsel. Denn der scheidende Kremlchef Wladimir Putin, mit dem Medwedew seit rund 17 Jahren zusammenarbeitet, wird als
Regierungschef weiter Einfluss ausüben.
Auch nach seiner Wahl am 2. März hielt sich Medwedew demonstrativ im politischen Tagesgeschäft hinter Putin und setzte kaum Akzente. Zwar erklärte der Jurist in Interviews den Kampf gegen Korruption und «Rechtsnihilismus» zur «nationalen Priorität» und beschwor «eine führende Rolle Russlands in der Welt». Aber mit seiner Zurückhaltung gab er bisher eher jenen recht, die ihm eine Funktion als «williger Vollstrecker» von Putins Regierungspolitik prophezeien. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger hat Medwedew keine Laufbahn im Geheimdienst absolviert. Kaum jemand traut dem Mann mit dem jungenhaften Gesicht zu, von Beginn an die Clans im Kreml im Zaum halten zu können. Außenpolitisch besitzt der neue Präsident noch kein eindeutiges Profil. Russland bleibe «offen für Dialog», erklärte er lediglich im Wahlkampf. Im Atomstreit mit dem Iran lehnt Medwedew Kriegsdrohungen als Druckmittel ab. Stattdessen müsse man die Rolle der Vereinten Nationen stärken, betont er. Von deutschen Politikern kennt er vor allem Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) persönlich näher. Als Steinmeier Chef des Kanzleramts war, leitete Medwedew die Administration von Putin. Wie der scheidende Kremlchef (55) stammt der am 14. September 1965 geborene Dmitri Anatoljewitsch Medwedew aus Leningrad, dem heutigen St. Petersburg. Putin holte ihn zunächst zu sich ins St. Petersburger Rathaus und dann in die Moskauer Präsidialverwaltung. Später kamen das Amt des Vizeregierungschefs und der Aufsichtsratsvorsitz beim weltgrößten Gaskonzern Gazprom dazu. Im Ausland erwarb sich der bekennende Anhänger von Hardrock-Musik einen Ruf als liberaler Politiker und als verständiger Fachmann in Sozial- und Wirtschaftsfragen. «Freiheit ist besser als keine Freiheit», unterstrich der Sohn einer Sprachwissenschaftlerin und eines Maschinenbauprofessors unlängst während einer Rede in Krasnojarsk. Mit seiner Frau Swetlana, einer Pädagogin, hat er seit 1996 den Sohn Ilja. Und in mindestens einer Sache wird Medwedew, dessen Nachname vom russischen Wort «Bär» stammt, sich von seinem Vorgänger unterscheiden. Während sich Putin bei Treffen mit ausländischen Politikern häufiger mit seiner schwarzen Labradorhündin Koni zeigte, bevorzugt Medwedew Katzen. Sein sibirischer Zuchtkater Dorotheus balgte sich sogar schon einmal mit dem Stubentiger des früheren sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow, berichtete die Zeitung «Moskowski Komsomolez».
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