Papst prangert in Neapel Gewalt im Namen Gottes an
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Papst Benedikt XVI. hat am Sonntag in Neapel zum Widerstand gegen jede Form von Gewalt und zu einem friedlichen Zusammenleben aller Religionen aufgerufen. «In unserer von Konflikten zerrissenen Welt, in der sogar die Gewalt im Namen Gottes zuweilen gerechtfertigt wird, ist es wichtig zu betonen, dass Religionen niemals Hass transportieren dürfen», sagte das katholische Kirchenoberhaupt zum Auftakt eines dreitägigen Friedens- und Gebetstreffens vor Vertretern der Weltreligionen. «Im Gegenteil können und sollen die Religionen eine wertvolle Ressource sein, um Frieden unter den Menschen zu
schaffen», fügte er hinzu.
Benedikt war am Morgen von Rom aus mit dem Hubschrauber in die kampanische Metropole geflogen. Bei strömendem Regen und kalter Witterung feierte er zunächst auf der zentralen Piazza del Plebiscito eine Messe mit rund 20 000 Gläubigen. In seiner Predigt prangerte er vor allem Armut, Gewalt, Arbeitslosigkeit und Kriminalität in der süditalienischen Stadt an. Neapel ist immer wieder Schauplatz blutiger Clan-Fehden der Camorra, wie die Mafia in Kampanien genannt wird. Es sei jetzt wichtig, den jungen Menschen Zukunftsperspektiven zu bieten, erklärte der Papst und forderte «politische Akte» und auch spirituelle Erneuerung, um der Welle der Gewalt zu begegnen. Anschließend traf Joseph Ratzinger mit den Delegationsführern des Friedenstreffens zusammen. Seit 21 Jahren organisiert die katholische Gemeinschaft Sant'Egidio diese internationalen Zusammenkünfte in großen Städten Italiens und in europäischen Metropolen. Ausgangspunkt für die Treffen war das Weltfriedensgebet, zu dem Papst Johannes Paul II. im Oktober 1986 nach Assisi eingeladen hatte. In diesem Jahr steht die Begegnung unter dem Motto «Für eine Welt ohne Gewalt - Religionen und Kulturen im Dialog». Unter anderem waren auch der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I., der Erzbischof von Canterbury Rowan D. Williams, der israelische Oberrabbiner Yona Metzger sowie Vertreter aus Politik und Gesellschaft nach Neapel gekommen. Vor dem Rückflug nach Rom wollte der Papst am frühen Abend noch im Dom von Neapel in der Kapelle des Heiligen Gennaro beten, wo sich alljährlich das so genannte «Blutwunder» ereignet. San Gennaro war Bischof von Benevent und wurde während der Christenverfolgungen um 305 von Diokletian enthauptet. Nach der Legende hat eine Frau das Blut des Märtyrers direkt nach seinem Tod in einer Ampulle aufgefangen und aufbewahrt. Seit 313 n. Chr. soll sich das Blut angeblich jedes Jahr im Mai und September verflüssigen.
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