Hintergrund: Im Epizentrum der Verzweiflung - Peking (dpa) - Das verheerende Erdbeben in Südwestchina hat in dem Gebiet, wo das Epizentrum lag, ganze Ortschaften dem Erdboden gleich gemacht. «Es war alles kaputt, wie zerbombt», berichtete der deutsche Korrespondent Henrik Bork. Bork hat als erster ausländischer Journalist die völlig zerstörte Gemeinde Yingxiu besucht. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa berichtete der Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung» am Donnerstag von der Verzweiflung, der Hoffnung und dem grausamen Tod durch das Erdbeben. Von den 5000 Einwohnern seien 2700 verschüttet worden - die meisten seien tot.
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Hintergrund: Im Epizentrum der Verzweiflung

2008/05/16 12:18

Pressemeldung von:
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Peking (dpa) - Das verheerende Erdbeben in Südwestchina hat in dem Gebiet, wo das Epizentrum lag, ganze Ortschaften dem Erdboden gleich gemacht. «Es war alles kaputt, wie zerbombt», berichtete der deutsche Korrespondent Henrik Bork.

Bork hat als erster ausländischer Journalist die völlig zerstörte Gemeinde Yingxiu besucht. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa berichtete der Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung» am Donnerstag von der Verzweiflung, der Hoffnung und dem grausamen Tod durch das Erdbeben. Von den 5000 Einwohnern seien 2700 verschüttet
Hintergrund: Im Epizentrum der Verzweiflung
Die Gemeinde Yingxiu lag im Epizentrum des Erdbebens und wurde völlig zerstört.
worden - die meisten seien tot.

Die Volksbefreiungsarmee, die zwei Tage nach dem Beben den Ort erreichte, habe ein Lazarett aufgebaut. «Im Grunde lagen die Leute auf der Erde, mit einer Decke oder einer Plane darunter.» Hubschrauber hätten die Verletzten abgeholt. «Quälend langsam», fand Bork. «Die Leute waren ja seit drei Tagen schon schwer verletzt - der eine am Rückgrat, der andere mit einer Fleischwunde am Bein.» Pausenlos seien Verletzte zum Landeplatz geschleppt worden. «Überall gab es Soldaten, die auf dem Rücken Verletzte trugen oder mit der Bahre schleppten.» Es sei ein Strom von Verletzten gewesen.

Die Szenen an der eingestürzten Grundschule seien besonders schlimm gewesen. «Da lagen ein Dutzend Leichen aufgebahrt. Einige Leichen waren gerade aus den Trümmern geborgen. Die Eltern beugten sich darüber, weinten und trauerten», berichtete Bork. «Eine Mutter hing über der Leiche ihres kleinen Jungen, der ganz mit Lehm verschmiert war.» Von 400 verschütteten Kindern seien 150 lebend und ein paar Dutzend tot geborgen worden. Der Rest sei noch verschüttet. Viele Eltern hofften noch verzweifelt, dass ihre Kinder, die noch nicht gefunden waren, vielleicht doch überlebt haben könnten. «Bis gestern Abend hat man noch Weinen gehört unter den Trümmern.»

Der Parteichef des Ortes habe seit Montag eine Bergung der Opfer abgelehnt, solange nicht professionelle Hilfe eintreffe, was die Eltern wütend gemacht habe. «Keiner ist gekommen, zwei Tage lang», kritisierten sie. «Keiner hilft unseren Kindern.» Funktionäre des Ortes hatten den Journalisten daran hindern wollen, mit den Eltern zu reden. «Aber die wollten reden. Die fanden es gut, das jemand Anteil nimmt», sagte Bork. «Dann haben sie angefangen zu brüllen. Das geriet fast außer Kontrolle.» Nach seinem Eindruck seien die Bergung insgesamt «sehr schwerfällig» angelaufen. Auch nördlich der Provinzhauptstadt Chengdu sei 28 Stunden nach dem Einsturz einer Schule mit 800 Kindern noch kein Soldat gewesen.

Angesichts der gewaltigen Zerstörung an so vielen Orten könne vielleicht selbst die Volksbefreiungsarmee «nicht überall sein», meinte Bork. Die Armee nutze ihren Einsatz aber für die Propaganda. «Jede Kompanie hatte einen Mann mit Videokamera dabei», schilderte Bork. «Jede einzelne Hilfsaktion wird gefilmt. Jedes Einladen eines Verletzten in den Hubschrauber.» Nach einem achtstündigen Fußmarsch über 60 Kilometer war Bork am Abend in Yingxiu eingetroffen und am Morgen zunächst mehrere Stunden festgehalten worden. «Ich bin genau dem Einsatzleiter in die Arme gelaufen.» Erst nach längeren Diskussionen habe er seine Arbeit fortsetzen können.

Besonders beeindruckend sei der Weg nach Yingxiu gewesen, schilderte der Journalist. «In die eine Richtung marschierten die Soldaten in ihren Stoffschuhen über das Geröll und durch den Matsch. Und heraus kam ein Treck von Verwundeten, die sich in Richtung zum Krankenhaus nach Dujiangyan selber herausschleppten» berichtete Bork. «Es war ein Treck der Verzweifelten, der mir entgegenkamen: Leute mit Kopfverletzungen und mit Binden um den Kopf. Andere auf Krücken gestützt, mit irgendwie verdrehten Füßen. Söhne, die ihre Väter auf dem Rücken schleppten über Stock und Stein, 60 Kilometer weit.»



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