Götz George stellt seine Biografie vor
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Berlin (dpa) - Götz George wird 70 und blickt zufrieden auf sein Leben zurück, samt Niederlagen und Erfolgen und überstandener Herzoperation im vergangenen Jahr.
Die hat er erst jetzt verraten in der Biografie «Götz George - Mit dem Leben gespielt», die er zusammen mit dem Autor Torsten Körner am Freitag in seiner Heimatstadt Berlin vorstellte (Scherz/Fischer, 480 Seiten, 19,90 Euro). George litt an einer gefährlich vergrößerten Aorta, der Hauptschlagader zum Herzen. Wäre sie geplatzt, hätte das zum inneren Verbluten führen können. Das «Raubein», das bis
heute Wert auf körperliche Fitness legt, musste sich im Frühjahr 2007 im Deutschen Herzzentrum in Berlin einer Gefäß- und Herzoperation unterziehen. Eigentlich längst ein Routineeingriff, allerdings ist er für den Patienten sehr belastend «und das Risiko, während der Operation zu sterben, beträgt zwei bis zehn Prozent», heißt es in der Biografie. Unter den Ärzten war auch ein Mitglied der Familie Georges. Heute sei der Schauspieler leistungsstärker als vor der Operation, betont der Buchautor.
So wird George bei der Buchvorstellung denn auch gefragt, wie er es schaffe, immer noch so fit zu sein «und so verdammt gut auszusehen». Dass er in der Presserunde aus Versehen zunächst mit «Herr Schi..ähh..George» angesprochen wird, kontert der Schauspieler mit den Worten: «Na ja, der haut eben manchmal den Leuten auf die Schnauze und dann fühlt er sich wieder fit.» Aber im Ernst, der Beruf halte fit, weil er oft auch Freude mache, auch mit der Rolle des ebenso kraftstrotzenden wie sensiblen «Tatort»-Kommissars Schimanski, die ihm doch viele schöne Augenblicke seines Lebens geschenkt habe. «Die 80er Jahre waren eine wunderbare Zeit. Wir hatten fantastische Arbeitsbedingungen und Kollegen und auch Anerkennung beim Publikum - ein Glücksfall, den ich so in meinem Leben über ein Jahrzehnt nicht wieder gehabt habe.» Allerdings sei die Schimanski- Figur von den Medien schließlich «zum Sex- und Phallussymbol, als absoluter Macho aufgebaut worden», was ihn zu seinem - bisher nicht akzeptierten - Vorschlag veranlasst habe, dass sich Schimanski in der letzten Folge als Schwuler zu erkennen geben sollte. «Ich habe auch schon Schwule gespielt, für einen Schauspieler muss alles offen sein. Ich habe in 60 Jahren so viele Charaktere gespielt, die mir gelungen sind, worauf ich stolz bin. Das nehme ich mit ins Grab.» Und er hoffe auch, dass sein Vater Heinrich George, der 1946 im sowjetischen Lager Sachsenhausen starb («er war ein überzeugter Deutscher und ein überzeugte Schauspieler») sagen kann: «Na, Kleener, du bist ja nicht so'n schlechter Schauspieler wie ich anfangs gedacht habe.» Zurzeit dreht George eine Verfilmung der George-Tabori- Groteske «Mein Kampf». Der Schauspieler hat sich eigenen Worten zufolge «nicht danach gerissen», an einer Biografie mitzuarbeiten. «Aber ehe das irgendwer macht, vertraue ich lieber einem seriösen Autor wie Körner.» Der Autor, der auch schon Biografien über Heinz Rühmann und Franz Beckenbauer schrieb, begleitete George fast drei Jahre lang und konnte den Schauspieler dazu bewegen, auch über «längst verdrängte» und hier bewegend wiedergegebene Kindheits- und Jugenderinnerungen ebenso wie über gescheiterte Beziehungen zu sprechen. Oder dass er gerne den «Seewolf» (statt Raimund Harmstorf) gespielt hätte und dass er den «Revolverjungen und Lassobengel» in den Karl-May-Filmen durchaus genossen hat. Eigentlich wollte George ja Stuntman werden. Und auch die beim Publikum durchgefallenen Filme mit Götz George tauchen wieder auf. Auch der spektakuläre Badeunfall vom August 1996 auf Sardinien kommt zur Sprache, der George nicht nur körperlich schwer verletzte, sondern auch in seinem Selbstbewusstsein und -verständis als Schauspieler, der sich stark über den Körper definiert, schwer getroffen hatte. «Jetzt muss ich nicht mehr Rede und Antwort stehen und immer dasselbe quatschen (...). Je älter man wird, umso weniger muss man quatschen. Man hat doch alles gesagt. (...) Mein Leben besteht doch hauptsächlich aus meinem Beruf, und der ist hinter den Kulissen nicht abendfüllend», meint der nun bald 70-jährige Mann (am 23. Juli) mit der getönten Brille, der lässigen Jacke, dem offenen Hemd und den Jeans. «Es war nicht geplant in meinem Leben, es noch einmal zu erzählen.»
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