Genervte Stimmung bei Prêt-à-Porter in Paris
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Pressemeldung von:
ANCOSO Development GmbH
Die Pariser Modeszene sah Rot. Und das nicht nur sprichwörtlich in Form verärgerter Redakteure am Samstag nach der Prêt-à-Porter-Schau des Luxushauses Hermès. Viele schienen tatsächlich in Rot getaucht mit verbrannt wirkenden Gesichtern, eigentlich cremefarbenen, nun rosa gefärbten Taschen oder einem rotfleckigen Outfit. Die Wochenend-Flaneure in den Tuilierien, wo Hermès in einem Zelt präsentierte, staunten nicht schlecht: Das Ganze wirkte wie eine sich unter den Schauenbesuchern seuchenartig verbreitende Krankheit. Tatsächlich hatten rote Farbpigmente, die effektvoll von einer auf
dem Laufsteg stehenden Leinwand herabrieselten, sich überall im Zelt als feiner Staub verteilt. Manch einer zog mit einem Störgefühl davon.
Und das, obwohl Hermès-Designer Jean Paul Gaultier zuvor eine der schönsten Schauen der Saison gezeigt hatte. Mit atemberaubender Raffinesse setzte er das Thema Indien um, zeigte silbrig glänzende Maharadscha-Jacken zur fließenden Hose, Umhang und Sikh-Turban, weiße Jodhpurs zu Reiterstiefeln aus Echsenleder, Tuniken aus Leder mit Stickereien aus gebürstetem Metall oder hochelegante Tropenkostüme in Khaki. Für den Abend verkürzte er den indischen Sari zu einem lockeren Oberteil und verpasste ihm dazu eine knapp knielange Hose. In blassblauer oder orangefarbener Seide mit Silberborte zeugte dies schlicht von Klasse wie auch die fließenden Roben mit Drapé-Effekten in Violett oder Lila, Gelb oder Orange. Das Störgefühl blieb also, doch lag es nicht nur an der Peinlichkeit, als eigentlich stylisher Redakteur nun mit Kainsmal aus dem Defilee zu spazieren, ein Spießrutenlaufen durch die Schar der Schaulustigen. Es lag sicher auch an der ohnehin schon gedämpften Stimmung, die kurz vor Schluss nach acht Tagen Modemarathon unter den müden Besuchern herrschte. 90 Schauen der Damenkollektionen für Frühjahr/Sommer 2007 waren in Paris auf insgesamt neun Tage verteilt. Und konnten in früheren Zeiten viele Amerikaner am Ende früher abreisen, weil nur noch unbekannte Designer zeigten, so ist dies inzwischen nicht mehr möglich. Denn am letzten Tag, dem Sonntag, warteten noch Highlights wie die Schau von Marc Jacobs für Louis Vuitton auf die Besucher. Zudem ist Paris zur Zeit der wohl wichtigste Schauenort der Welt. Die französische Hauptstadt versammelt zahlreiche erstklassige Namen: Neben Chanel, Saint Laurent, Dior oder Gaultier gelten Häuser wie Lanvin, Dries van Noten, Balenciaga, Chloé oder Nina Ricci als Muss für Modebegeisterte. Ein Mammutprogramm gilt es zu bewältigen. Doch leider schien es einigen Top-Designern in dieser Saison an Inspiration zu mangeln. Bei der Masse wichtiger Schauen muss ein Defilee ein starkes Statement setzen, um anzukommen. Wie schwierig dies ist, zeigte etwa das Defilee von Chloé am Samstag. Designer Paulo Melim Andersson muss sich von seiner umjubelten Vorgängerin Phoebe Philo absetzen, um den Kult um die Marke zu erhalten. Er lag eigentlich im Trend, schwelgte wie andere in Chiffon, Flatterkleid und Farbe. Doch seine ätherisch wirkenden Entwürfe wiederholten sich allzu sehr. Besucherin Courtney Love wirkte in der ersten Reihe ein wenig genervt. Diese Stimmung herrschte woanders bei vielen, wurde durch die Taufe in Rot bei Hermès nur gesteigert. Zwar markierten anders als sonst die Pariser Schauen zwei klare Trends - zum einen die Hinwendung zu lockeren bunten Entwürfen mit Hippie-Touch, zum anderen eine strenge architektonisch inspirierte Linie -, doch wohl gerade deswegen mangelte es an begeisternder Vielfalt.
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