Frauen, die die Welt verbessern
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AFAG Messen und Ausstellungen
Erfinderinnen sind rar. Dabei wären wir ohne sie ein ganzes Stück ärmer. Ob Champagner oder Spülmaschine: Es sind oft die Frauen, die nicht nur Genuss möglich machen
„Das ist Unsinn. Du glaubst doch nicht, dass sich dafür jemand ernsthaft interessiert!“ Wenn sich Frauen mit diesen Sätzen immer hätten abschmettern lassen, wäre die Welt um einige Erfindungen ärmer. Ohne die kreative Suche von Melitta Bentz nach den berühmten Tüten müssten wir möglicherweise noch heute auf Filterkaffe verzichten. Ohne Nicole Cliquots Erkenntnis, dass man Champagner entsprechend lagern und täglich rütteln muss, wäre der Menschheit dieses wunderbare Getränk vermutlich länger verwehrt geblieben und ohne Josephine Cochrane hätten Generationen geplagter Hausfrauen wahrscheinlich noch lange ohne Geschirrspülmaschine auskommen müssen.
Eines haben die heutigen Erfinderinnen mit ihren berühmten Vorgängerinnen häufig gemeinsam: So bereichernd und oft erleichternd im Alltag ihre Schöpfungen sind, so viele Probleme haben die Frauen in der Regel, ihre Ideen um- und die entsprechenden Produkte auf dem Markt durchzusetzen. Wenn es überhaupt so weit kommt: „Man traut Frauen einfach wenig zu, was Forschung und Entwicklung betrifft“, sagt Dragica Graf, die gemeinsam mit Martina Metschl den ersten INSTI Frauen-Erfinderclub ins Leben gerufen hat. INSTI (Innovationsstimulierung) ist ein Projekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ins Leben gerufen wurde. Unter dessen Dach haben sich inzwischen 133 Erfinderclubs gegründet, darunter fünf Clubs für technisch interessierte Mädchen und Frauen. Das Zeug zum Erfinden Der Anteil von Frauen in diesem Metier ist immer noch sehr gering. „Vielleicht fünf Prozent“, schätzt Graf. Die Gründe, dass sie dennoch weniger an die Öffentlichkeit gehen, sind unterschiedlich. „Es gibt nur wenige Frauen in technischen Berufen“, erklärt Graf. „Also ist Mann es einfach nicht gewohnt, dass eine Frau hier etwas zu sagen hat.“ Dabei haben Frauen das Zeug zum Erfinden. Martina Grimm aus Geslau bei Rothenburg zum Beispiel: Sie hat eine Armhilfe für Schlaganfallpatienten entwickelt, die ihnen zu mehr Selbstständigkeit verhilft. Sie können damit den gelähmten Arm beziehungsweise die Hand teilweise wieder benutzen. Die Erfinderin hat inzwischen beim Patentamt nachgeforscht. Dieses Produkt gibt es noch nicht. So hat sie Gebrauchsmusterschutz angemeldet. Auch eine Patentanmeldung ist geplant. Dragica Graf unterstützt Martina Grimm dabei. So spart sie Kosten, die bei Patentanwälten anfielen. „Dafür ist wirklich kein Geld mehr da. Wir haben gerade ein Haus gebaut“, erklärt Grimm. Jetzt hofft sie auf einen Unternehmer, der an ihrer Erfindung interessiert ist, die Produktion und den Vertrieb übernimmt. „Genaue Information ist dabei im Vorfeld aber unerlässlich“, sagt Graf. „Bei Unternehmen müssen Erfinderinnen auch aufpassen, dass ihnen die Idee nicht einfach ‚gestohlen’ wird. Das ist immer die Gefahr. Deshalb sollten Frauen ihr Produkt schützen lassen, allerdings nicht zu früh. Dann nämlich könnte eine noch nicht ausgereifte Idee als Grundlage benutzt und weiter entwickelt werden.“ Oft fehlt das finanzielle Polster In einer Situation wie Martina Grimm befinden sich viele. „Dazu kommt, dass Erfinderinnen, selbst wenn sie es wollen, in der Regel von Banken kein Geld bekommen, schon gar nicht, wenn sie im geburtsfähigen Alter sind“, berichtet Graf aus leidvoller Erfahrung: „Ich habe früher als Erfinderin nie auch nur einen Cent von der Bank bekommen, ohne dass mein Mann für mich gebürgt hat.“ Die Finanzen sind häufig das Problem, auch wenn beispielsweise ein Unternehmen tatsächlich eine Idee aufgreift und das Produkt dann einfach vermarktet. Rita Güllenbeck aus Rees bei Kleve hat das erlebt. Eine ihrer Erfindungen wird heute von einer großen Firma verkauft. „Es hat gar keinen Sinn, gerichtlich dagegen anzugehen“, erklärt Güllenbeck, „da sitzen die finanziell doch am längeren Hebel.“ Sie hat eine Bohrmaschinenleuchte erfunden. Als ihr Mann nach einem Umzug in der neuen Wohnung die Küche aufbaute und in einem der Schränke Schrauben festziehen wollte, brauchte er jemanden, der den Innenraum beleuchtete. So bat er seine Frau, eine Taschenlampe zu halten. „Da dachte ich, so kann’s nicht gehen, dass ich da immer herum stehe und die Lampe halte“, erinnert sich Rita Güllenbeck. Und schon hatte die Erfinderin die Lösung: „Ich habe mehrere Taschenlampen auseinander genommen und die dafür passende Lichtquelle am Haltegriff des Bohrers befestigt.“ Guter Rat ist wichtig „Danach war für mich der Erfinderclub entscheidend“, erklärt Rita Güllenbeck. „Dort haben wir dann das weitere Vorgehen zur Entwicklung des Produktes besprochen.“ Die Tatsache, dass heute ein anderer Geld mit ihrer Erfindung verdient, sieht sie relativ gelassen: „Natürlich ist es keine schöne Erfahrung, wenn einem eine Idee gestohlen wird. Trotzdem ist unsere Tätigkeit bereichernd und bietet immer wieder neue Erfahrungen, wenn man sich mit den Clubmitgliedern austauschen kann, einem geholfen wird, man Verständnis erhält. Das macht eben auch Freude.“ „Kontakte zu knüpfen, ist unglaublich wichtig“, sagt auch Dragica Graf, „zum Beispiel auf Messen, wie der Erfindermesse IENA, oder eben zu INSTI Erfinderclubs. Ideen können dort mit anderen auf Machbarkeit und Marktreife abgeklopft werden. Frauen sollten außerdem über den Tellerrand schauen, also auch in andere Clubs, Institutionen, Vereine usw.,“ rät Graf. „Oft begreifen Erfinder und Erfinderinnen nicht, dass sie nicht im stillen Kämmerlein sitzen bleiben dürfen“, stellt sie fest. Information ist also alles. Weiter helfen: Das Deutsche Patent- und Markenamt Zweibrückenstraße 12, 80331 München INSTI Erfinderclubs Beate Treu, Projektleitung Institut der deutschen Wirtschaft Köln Telefon: 0221 – 4981 – 839 E-Mail: treu@iwkoeln.de und viele andere Institutionen. Um Erfindungen geht es auch bei der IENA Nürnberg, Internationale Fachmesse „Ideen-Erfindungen-Neuheiten“. Die weltweit führende Fachmesse für das Erfindungswesen findet vom 2. bis 5. November 2006 zum 58. Mal in der Messe Nürnberg statt (www.iena.de). Bei der diesjährigen Messe werden vorwiegend freie Erfinder aus aller Welt über 600 Erfindungen vorstellen, von denen der Großteil das erste Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wird.
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