Diktator Franco soll Cliff Richard betrogen haben
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Madrid/London (dpa) - Es hatte Cliff Richard schon immer gewurmt, dass er 1968 beim Eurovision Song Contest nur Zweiter wurde. Mit seinem Lied «Congratulations» lag der britische Musiker nur einen Punkt hinter der Spanierin Massiel mit «La, la, la».
40 Jahre später darf der mittlerweile zum Ritter geschlagene Sir Cliff sich in seinem Ärger bestätigt fühlen. Beim damaligen Wettbewerb scheint es nicht ganz mit rechten Dingen zugegangen zu sein. Diesen Eindruck erweckt jedenfalls ein Dokumentarfilm des spanischen TV-Senders La Sexta. Danach könnte die damals in
Spanien herrschende Diktatur General Francisco Francos beim Sieg von Massiel ein wenig nachgeholfen haben. In dem Streifen sagte der damalige Moderator des spanischen Fernsehens (TVE), José María Íñigo: «Spanien hatte ein großes Interesse, das Festival zu gewinnen, um seinen Ruf aufzubessern. Alle Welt weiß, dass die TVE-Chefs damals durch ganz Europa reisten und TV-Serien kauften. Die Serien wurden nie ausgestrahlt. Der Kauf sollte Spanien allein zu den entscheidenden Punkten bei der Eurovision verhelfen.»
Die britische Öffentlichkeit reagierte empört. «Cliff wurde um den Sieg betrogen», hieß es in der Presse. Das Boulevardblatt «The Sun» meinte gar, der «Generalísimo» höchstpersönlich habe Spanien zum Sieg verholfen: «Der faschistische Führer manipulierte die Stimmabgabe.» Sir Cliff Richard fühlt sich nach eigenen Worten um den Sieg «beraubt». «Wenn es dafür Beweise gibt, dass ich der Gewinner bin, dann gäbe es keinen glücklicheren Menschen auf Erden», erklärte der 67-Jährige britischen Medien. «Es wäre toll zu sagen, den 68er Eurovision Contest gewonnen zu haben.» Richard hatte über die Jahrzehnte Erfolge über Erfolge gefeiert. Er wurde von Queen Elizabeth II. als erster britischer Rocksänger zum Ritter geschlagen, er landete von 1950 bis 2000 in jedem Jahrzehnt einen Tophit in den britischen Charts (was neben ihm nur Elvis gelang), und eine eigene Weinmarke trug zu weiterem Ruhm bei. Doch ein Sieg beim Eurovision Song Contest blieb ihm verwehrt. «Mit 40 Jahren Verspätung scheinen die "congratulations" (Glückwünsche) nun in Ordnung zu gehen», witzelte die Zeitung «Guardian». In Spanien wies man jedoch die britischen Ansprüche auf den 68er Sieg energisch zurück. Der Eindruck, das Franco-Regime habe den Ausgang des Wettbewerbs manipuliert, sei völlig überzogen, betonte die Regisseurin der TV-Dokumentation, Montse Fernández. «Der damalige Moderator Íñigo sprach in allgemeiner Form über die Zustände in den 50er und 60er Jahren, nicht über einen bestimmten Wettbewerb.» Auch die Sängerin Massiel setzte sich gegen die Verdächtigungen zur Wehr: «Ich war damals als Rote verschrien, und jetzt soll das Regime mir geholfen haben. Was gibt es denn für Beweise für eine solche Behauptung?» Massiel ist eine von nur zwei spanischen Siegern in der Geschichte des Wettbewerbs. Um ihr Lied hatte es von Anfang an Ärger gegeben. Es hatte eigentlich von dem Katalanen Joan Manuel Serrat vorgetragen werden sollen. Der Musiker verzichtete jedoch, weil er nicht auf Katalanisch singen durfte. Richard macht sich allerdings nur wenig Hoffnung, nach all den Jahren nachträglich zum Sieger erklärt zu werden: «Ich finde es schwer, das Ganze ernst zu nehmen.» Um die Beliebtheit seines Wettbewerbssongs musste der Musiker sich nie Sorgen machen. «Congratulations» verkaufte sich weltweit mehr als eine Million mal, in Deutschland hielt der Song sich in den Charts sieben Wochen auf der Nummer eins.
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