Die Bankenkrise als Wissenschaftskrise in der Postmoderne
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Wachstumstrend Forschungsinstitut und Verlags-GmbH
Die Medien haben bereits den Sündenbock für die Bankenkrise ausgemacht. Es sind die „gierigen“ Banker, die „unfähigen“ Politiker und, allen voran (wie immer?) die Amerikaner. All diese „Diagnosen“ sind jedoch nur Folgesymptome und gehören zur zweiten Staffel der Bankenkrise. Die wahren Strippenzieher sind die Wissenschaftler! Im Jahre 2006 habe ich eine Untersuchung über „Die Struktur des globalen Kapitalismus“ veröffentlicht. In diesem Buch habe ich mich aus der Sicht der Sozialwissenschaften ausführlich zur „Architektur der Finanzmärkte“ im Allgemeinen und sehr
konkret zum einseitigen Intellektualismus der Wirtschaftswissenschaften geäußert.
Im Jahre 1998 hat der LTCM - Fond nach einigen erfolgreichen Jahren eine rasante Krise erlebt und fast sein ganzes Vermögen von über 5 Milliarden Dollar verloren. Die amerikanische Notenbank musste intervenieren, da viele Banken weltweit beteiligt waren und schon damals eine internationale Bankenkrise befürchtet wurde. Der ursprünglich als Superkonstruktion gepriesene Fond wurde von 2 Nobelpreisträgern und mehreren Professoren nach „wissenschaftlichen“ Gesichtspunkten betreut. Da diese finanziell beteiligt waren, haben sie auch selbst Millionen von Dollar an eigenem Vermögen verloren. Trotz dieses Verlustes hatten sie keine Einsicht in die Tatsache, dass man allein mit intellektualistischen, mathematisch kreierten Strategien auf Dauer nicht erfolgreich an den Finanzmärkten operieren kann. Aus dem Desaster von damals hat man nichts gelernt. Es wäre wohl nie zu der heutigen Bankenkrise gekommen, wenn die Finanzwissenschaftler die Strategien der Banken nicht auch noch unterstützt hätten. Die zukünftige Entwicklung des globalen Kapitalismus hängt davon ab, ob die Wirtschaftswissenschaft ihre sture Einseitigkeit aufgeben und die sozialen Zusammenhänge, auf die ich in meinem Buch hingewiesen habe, berücksichtigen wird. Der Wunsch nach Regulation ist in aller Munde. Aber die richtige Frage lautet: Auf welcher wissenschaftlichen Grundlage soll eine politische Regulierung denn stattfinden? Über eine solche Fragestellung wird bis heute kaum diskutiert.
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