«Das Wunder von Cordoba» feierte Premiere
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Wien (dpa) - Nach dem historischen Tor fällt der Schütze auf die Knie. Begeistert reißt Massimo Furlan alias Hans Krankl die Arme in die Höhe, und die rund zweieinhalb Tausend Zuschauer jubeln ihm zu.
Massimo Furlan (42), schweizer Performance-Künstler mit italienischen Vorfahren, hat soeben im Alleingang Deutschland besiegt. «Das Wunder von Cordoba», bei dem Furlan über volle 90 Minuten das Spiel des österreichischen Stürmers Hans Krankl während der Fußball-WM 1978 in der argentinischen Stadt präzise nachspielt, hatte am Freitagabend im Rahmen der Wiener Festwochen
seine erfolgreiche Premiere.
Genau einen Monat vor dem Vorrundenspiel Österreich-Deutschland bei der Fußball-EM am 16. Juni in Wien bewies der Schweizer mit seiner Performance einmal mehr: «Das Wunder von Cordoba», das denkwürdige 3:2 Österreichs über den übermächtigen Nachbarn Deutschland und bei deutschen Fans als «Schmach von Cordoba» bekannt, ist tief im kollektiven Bewusstsein der Alpenrepublik verankert. Und allen im kleineren Hanappi-Stadion war nach dem Spiel klar, dass dieser dramatische Sieg nach 30 Jahren im Wiener Ernst-Happel-Stadion wiederholt werden soll. «Wien ist Cordoba», tönte es nach dem «Schlusspfiff» am Freitagabend allenthalben fröhlich - wenn auch nicht immer ganz ernst gemeint. Massimo Furlan, der mit seinem leichten Bäuchlein im rot-weißen Trikot des österreichischen Nationalteams nicht ganz austrainiert wirkte, hat sich für seine Performance das berühmte Spiel von 1978 unzählige Male angesehen, um jede Bewegung, jede Flanke, jeden Schuss und jede Geste des damals 25-jährigen Hans Krankl nachspielen zu können. Doch nicht selten steht er bei seiner Darbietung einfach nur so auf dem Feld, bewegt sich kaum, wirkt verloren auf dem Platz und blickt den imaginären Mitspielern hinterher, wie es der echte Krankl auch in Cordoba 1978 tat. «Zeitlupenfußball» nennen die Experten heute, was damals die Nationalmannschaften vor den Fans zeigten. «Für die Aufführung ist das persönliche und kollektive Gedächtnis der Zuschauer entscheidend!», meinte der Künstler vor dem virtuellen Match, bei dem die entscheidenden Torszenen immer wieder auf der Videowand eingeblendet werden. Die Erwartung und Stimmung der Zuschauer, die ja wissen, dass «ihre Mannschaft» in diesem Spiel gar nicht verlieren kann, steigert sich von Minute zu Minute. Zum großen Teil lebt das Stück letztlich aber auch von dem grandiosen Live-Kommentar, mit dem der Sprecher Edi Finger Jr. mit typischem Wiener Schmäh nahtlos an den denkwürdigen Kommentar seines Vaters vor 30 Jahren anschließt. Nur für die letzten Minuten des Spiels, in denen Krankl sein nicht weniger denkwürdiges Siegtor schießt, krächzt über Lautsprecher der Originalkommentar mit dem nicht weniger denkwürdigen «I wear narrisch» (ich werd' verrückt) von Edi Finger senior. Und das Publikum jubelt, als habe man gerade eben wieder einmal die Deutschen besiegt. «Das Wunder von Cordoba», so sagt Massimo Furlan, ist eine Geschichte, deren Ende wir zwar kennen - die man aber - zumindest im Land der damaligen Sieger - «immer wieder erzählen kann, wie man Kindern immer wieder Rotkäppchen erzählen kann». Die reale Fortsetzung dieser ewigen österreichisch-deutschen Geschichte folgt dann am 16. Juni in Wien.
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