Christopher Street Day ist für viele der bessere Rosenmontagszug
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Köln (dpa) - Wenn nahe der Amtswohnung von Kardinal Meisner Schamhaarperücken und Brustgeschirre angelegt werden, dann wissen die Kölner: Es ist wieder Christopher Street Day (CSD). Im Grunde verwundert es nicht, dass ausgerechnet die Domstadt die größte Parade dieser Art hat. Karneval im Sommer, davon träumte man am Rhein schon immer. Und mittlerweile sind auch viele Heteros davon überzeugt: Die CSD-Parade ist der bessere Rosenmontagszug. Trotz forcierter Entblößung männlicher Anatomie ist das Event nach 15 Jahren so etabliert, dass dorthin sogar Kaffeefahrten für Senioren
angeboten werden. Nicht jeder CSD-Veteran findet es gut, dass nun so viele «Normalverpartnerte» - Schwulenverbandsdeutsch für Heteros - dabei sind. «Früher war es gemütlicher, da waren wir mehr unter uns», sagt Ludwig Müller (56), der in einer Art Gestapomantel erschienen ist. «Das ist der Latex-Gummi-Look, Military Style, wissen Sie.»
Um dem Familien-Charakter des Umzugs ein wenig entgegenzuwirken, ist an diesem Sonntag die Fetisch-Szene präsenter als sonst. Dort beschränkt man sich nicht auf das Herzeigen von Waschbrettbäuchen und anderer Biomasse, sondern gewährt einen Einblick in die dunkle Welt des Sadomaso. «Wir wollen auch mal das Harte zeigen», sagt Thomas (45) vom Wagen 31 und schwingt seine Peitsche. Im bürgerlichen Leben ist er Hausmeister in Gelsenkirchen, aber die Szene kennt ihn als Sir Tom the Masked. Er trägt eine Art Henkersmütze samt klirrendem Brustpanzer und führt an einer Kette einen weitgehend mit Lederriemen bekleideten Herrn mit sich. Dieser stellt sich mit den Worten vor: «Ich bin 48 Jahre alt und kaufmännischer Angestellter aus Düsseldorf.» Die Parade, die sich am Mittag auf der Deutzer Brücke über den in der Sonne glitzernden Rhein bewegt, soll «das ganze Spektrum der Szene repräsentieren». Die alternativ gepolte Karnevalstruppe «Rosa Funken» schwingt die enthaarten Männerbeine, und die Muskelmänner vom SC Janus - Europas größtem schwul-lesbischem Sportverein - zeigen, dass Homos nicht nur mit Wattebäuschchen um sich werfen. 2010 findet in Köln die Schwulenolympiade Gay Games statt. Dann gibt es noch die ganz Schönen, die zeitlebens mit der Bekämpfung männlicher Problemzonen beschäftigt sind, und die rheinischen Frohnaturen, die sich als Revue-Girls, Bademeister oder US-Navy-Offiziere verkleidet haben. Frank (37), Frührentner aus Hagen, hat daheim 300 Uniformen und ist an diesem Tag als französischer Gendarm erschienen. «Mir gefällt es, Dominanz auszustrahlen», erklärt er. Dazwischen werben auf den Wagen aber auch Autofirmen und Versicherungskonzerne um die begehrte Zielgruppe der «Dinks» (Double income, no kids). Am Straßenrand stehen Hunderttausende Zuschauer. «Das heißt aber nicht, dass in Köln nun alle furchtbar tolerant wären», sagt Gerd (42), der auf Wagen 7 mitfährt. Und sein Nebenmann, der Friseur Volker Abt (40), meint: «Den Kölnern ist es im Prinzip egal, auf welchem Fest sie tanzen.»
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