China hat einen Traum: Milch für alle
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ANCOSO Development GmbH
Peking (dpa) - Milch ist das neue Gesundheitsgetränk in China. Es soll die Haut schöner machen, Zähne gesund halten und Zellen vor Alterung schützen, versprechen Hersteller. Morgens wirke Milch erfrischend, abends sorge Milch für guten Schlaf. Den glücklosen chinesischen Fußballern wird Milch empfohlen, um auch in der zweiten Halbzeit noch mit ihren ausländischen Kollegen mithalten können. In Grund- und Mittelschulen bekommen hunderttausende Schüler umsonst Milch. Legendär ist der Ausspruch von Ministerpräsident Wen Jiabao: «Ich habe einen Traum - einen Traum, jeden Chinesen,
besonders unsere Kinder, mit einem halben Liter Milch am Tag zu versorgen.»
Dieser Traum und die wachsende Nachfrage durch Chinas gesundheitsbewusste Wohlstandsbürger haben den Import von Milchprodukten im vergangenen Jahr um 25 Prozent steigen lassen. Dass der Aufstieg des Milliardenvolkes nicht nur für den Anstieg der weltweiten Ölpreise, sondern auch für die Steigerung der Milchpreise in Deutschland verantwortlich sein soll, wird so manchem in Peking aber als neue Verschwörung von China-Gegnern vorkommen. Dabei kannte das Reich der Mitte in seiner Geschichte nicht einmal Molkereiprodukte. Die ersten Milchkühe sollen Missionare der Kolonialmächte Mitte des 19. Jahrhunderts nach China gebracht haben. Wie andere Asiaten vertragen viele Chinesen Milch nicht einmal. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, aber US-Forscher fanden heraus, dass 90 Prozent der Amerikaner asiatischer Abstammung unter Laktose-Unverträglichkeit leiden. Viele Chinesen wissen von Verstopfung oder Durchfall - je nach Veranlagung - zu berichten. So mancher wendet sich schon beim Geruch ab: «Meinem Mann wird schlecht, wenn er nur Kuh riecht. Er tut sich immer ein bisschen Pulverkaffee oder was anderes in die Milch, um den Geschmack zu verändern», sagt die 64-jährige frühere Textilarbeiterin Wang Li. Als ihr Vater vor ein paar Jahren krank im Hospital lag, kaufte sie ihm jeden Tag Milch zur Stärkung, damit er schnell wieder auf die Beine kommt. Früher, als es im kommunistischen China kaum Milch gab, so berichtet die 64-Jährige, sei Milch nur mit besonderer Genehmigung an Alte, Kranke oder kleine Kinder zugeteilt worden. «Es konnte sich niemand leisten. Es war so teuer, weil es nichts gab.» Mit den marktwirtschaftlichen Reformen entwickelten sich in den 90er Jahren Unternehmen, die mit Milchprodukten eine Marktlücke in China fanden. In kleinen Plastikflaschen wurde eine milchige, wässrige und süße Flüssigkeit in verschiedenen Geschmacksrichtungen angeboten, die zwar wenig mit frischer Milch zu tun hatte, aber dennoch beliebt war. Heute finden die Chinesen im wohlhabenden, städtischen Küstengürtel in den Supermärkten wie selbstverständlich Frischmilch, Joghurt und Käse. Der Konsum pro Kopf stieg laut Molkereivereinigung von 2000 bis 2006 um 76 Prozent auf 25,6 Kilogramm (2006), was allerdings nur einem Viertel des Weltdurchschnitts entspricht. China hat inzwischen auch eine beachtliche eigene Produktion, die 2006 um 15 Prozent zugelegt hat. Das Milliardenreich stieg damit zum drittgrößten Produzenten von Molkereiprodukten nach den USA und Indien auf, überholte Russland und Pakistan, wie der Direktor der Molkereivereinigung, Liu Chengguo, laut amtlicher Medien berichtete. Der Umsatz in China habe sich seit 1998 versiebenfacht - eine Chance auch für große internationale Produzenten wie Frankreichs Danone, Neuseelands Fonterra, Italiens Parmalat oder den Schweizer Nestle Konzern, die alle in China investiert haben.
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