Bhutto will «Schlacht zur Rettung Pakistans» kämpfen
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Pressemeldung von:
ANCOSO Development GmbH
Im Morgengrauen steht der Lastwagen mit dem gepanzerten Aufbau, in dem Benazir Bhutto wenige Stunden zuvor durch die sie feiernde Menschenmenge fuhr, noch immer am Ort des Blutbads. Auf die Seite des großen Kastenaufbaus ist ein Bild der Ex- Premierministerin gepinselt, die Flammen nach der Explosion haben schwarze Rußspuren auf dem Porträt hinterlassen. «Lang lebe Bhutto», steht in roten Lettern über dem Bild. Bhutto hat den Selbstmordanschlag unverletzt überlebt, sie ist kurz zuvor von der Tribüne auf dem Fahrzeugdach in den gepanzerten Innenraum gestiegen. Rund 140 ihrer Anhänger
haben keinen Schutz - sie sterben.
Kurz nach Mitternacht am Freitag - seit zehn Stunden schon ist Bhutto auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt - verwandelt sich das gigantische Straßenfest zur Rückkehr der Chefin der Volkspartei PPP in einen Alptraum. Der Attentäter gelangt in die Nähe ihres Fahrzeugs. Erst wirft er eine Handgranate auf den festlich geschmückten Lastwagen, dann zündet er seine mit 15 Kilo Sprengstoff und 2000 Stahlkugeln gefüllte Weste. Ein Polizeifahrzeug zwischen dem Attentäter und Bhuttos Lastwagen fängt die größte Wucht der Detonation auf, aber nur in Richtung der Politikerin. «Erst kam es zu einer kleinen Explosion und der Lastwagen stoppte. Als sich alle versammelten, gab es eine lautere Detonation», sagt der PPP-Anhänger Miian Abdul, der in der Nähe war. «Überall lagen Leichen und Körperteile verstreut herum.» Ambulanzen rasen zu den Krankenhäusern, wo Rollliegen knapp werden, manche der über 500 Verletzte werden auf den Armen von Helfern hineingetragen. Die Opferzahl steigt in der Nacht immer weiter an. Es ist einer der schwersten Anschläge in der 60-jährigen Geschichte Pakistans. Nach Bhuttos Angaben haben sich rund drei Millionen Anhänger auf der Strecke versammelt, um ihre Rückkehr nach acht Jahren im selbst gewählten Exil zu feiern, der Konvoi kommt nur im Schritttempo voran. Die Kontrahentin von Militärmachthaber Pervez Musharraf genießt es, sich nach den Jahren im Exil ausgiebig feiern zu lassen. Manche ihrer Anhänger brauchten Tage für die Anreise. Bhutto steht die meiste Zeit im Kreise ihrer Parteifreunde auf der offenen Tribüne auf dem Dach des Kastenaufbaus, sie erfreut sich an der ausgelassenen Menge. Die Behörden kritisieren die PPP am Freitag dafür, die Parteivorsitzende auf Lebenszeit stundenlang und ohne ausreichende Schutzmaßnahmen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Kurz vor dem Anschlag geht die Parteichefin mit einer Beraterin nach unten, um ihre mit Spannung erwartete Rede - die sie nie halten wird - durchzugehen. Gerade hätten sie darüber gesprochen, dass eine Passage zu den muslimischen Extremisten in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan in der Ansprache fehle, sagt Bhutto später. Dann hätte es geknallt. «Ich dachte erst, es sei ein Feuerwerkskörper. Aber in meinem Herzen wusste ich, es ist ein Selbstmordattentäter.» Bhutto betont, sie mache nicht die Regierung für die Tat verantwortlich. Sie wisse aber, wer sie töten wollte - Menschen, die ihre Positionen und Macht ausnutzten. In einem Interview kurz nach dem Anschlag wird sie deutlicher. «Es sind die Anhänger des früheren Regimes des Generals Zia, die heute hinter dem Extremismus und dem Fanatismus stecken», sagt sie. Diejenigen, die noch in den Geheimdiensten aktiv seien, müssten entlassen werden. «Ich stelle eine Gefahr für sie da: Wenn ich die Demokratie ins Land zurückbringe, verlieren sie ihren Einfluss.» Musharraf beeilt sich, die Tat als «Verschwörung gegen die Demokratie» zu verurteilen. Schon am Nachmittag nach dem nächtlichen Anschlag tritt Bhutto in ihrer Residenz in Karachi wieder vor die Presse und ins Licht der Scheinwerfer. Keine Spur von Einschüchterung, Bhutto gibt sich kämpferisch. Die Politikerin nutzt den Medienrummel nach dem Attentat, um ihre Botschaft für Demokratie und gegen Extremismus zu verbreiten. «Die Schlacht zur Rettung Pakistans wird heldenhafte Anstrengungen erfordern», sagt sie. «Ich bitte alle Menschen in Pakistan, mich und die politischen Parteien zu unterstützen, um unser Land vor der Bedrohung durch Militante und vor einer Übernahme durch Militante zu retten.» Von den Korruptionsvorwürfen gegen Bhutto - die schon zwei Mal in Islamabad regierte und nun wieder nach Macht strebt - ist am Freitag in Pakistan nichts zu hören.
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