BASF prüft nach Riesen-Blackout Schadenersatz - Berlin/Madrid (dpa) - Nach dem bislang rätselhaften großen Stromausfall vom Wochenende stehen die Energiekonzerne in der Kritik. Politiker forderten verstärkte Investitionen in die Stromnetze und eine europäische Aufsichtsbehörde. Der Chemiekonzern BASF prüft mittlerweile Schadenersatzansprüche. Die Ursachen für den Ausfall im E.ON-Netz, durch den am Samstagabend in Millionen Haushalten in Westeuropa die Lichter ausgingen, waren am Montag weiter unklar.
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BASF prüft nach Riesen-Blackout Schadenersatz

2006/11/06 17:32

Pressemeldung von:
Ancoso Development GmbH
Berlin/Madrid (dpa) - Nach dem bislang rätselhaften großen
Stromausfall vom Wochenende stehen die Energiekonzerne in der Kritik. Politiker forderten verstärkte Investitionen in die Stromnetze und eine europäische Aufsichtsbehörde. Der Chemiekonzern BASF prüft mittlerweile Schadenersatzansprüche.

Die Ursachen für den Ausfall im E.ON-Netz, durch den am Samstagabend in Millionen Haushalten in Westeuropa die Lichter ausgingen, waren am Montag weiter unklar. Entschädigungen stünden derzeit nicht zur Debatte, sagte E.ON-Chef Wulf Bernotat. Konzerne und Experten wiesen
BASF prüft nach Riesen-Blackout Schadenersatz
Ein Werksmitarbeiter der BASF steht vor dem Steamcracker II in Ludwigshafen (Archivfoto vom 27.10.2005).
den Vorwurf zurück, das Stromnetz sei marode. Windenergiebetreiber dementierten die Vermutung, dass ein Überangebot von Strom aus Windrädern die Netze überlastet haben könnte.

«Bis heute ist nicht klar, welches die Ursache des Problems war», musste Bernotat in Madrid einräumen. E.ON hatte schon am Sonntag auf die Abschaltung einer Hochspannungsleitung im Emsland für die Durchfahrt des Kreuzfahrtschiffes «Norwegian Pearl» als eine der möglichen Ursachen hingewiesen. Zugleich hatte es aber auch geheißen, es könne nicht der einzige Grund gewesen sein. «Die Frage von Entschädigungen steht in diesem Augenblick nicht zur Debatte», sagte Bernotat. Die Stromausfälle hätten auch gezeigt, dass die Versorger in der Lage seien, ein Problem in kürzester Zeit zu beheben.

Die «Norwegian Pearl» sollte am Montagabend einen zweiten Versuch für die Ems-Überführung unternehmen, nachdem der erste am Samstagabend abgebrochen worden war. E.ON wollte die Hochspannungsleitung erneut abschalten.

Eine BASF-Sprecherin sagte, derzeit würden die «vertraglichen Möglichkeiten» für Schadenersatzansprüche geprüft. Von dem Stromausfall waren auch Anlagen der BASF auf der zu Mannheim gehörenden Friesenheimer Insel betroffen, wo die Produktion beeinträchtigt worden sei.

E.ON wies Kritik an dem Zustand seines Netzes zurück. «Die Netze sind in einem guten Zustand, die Netze werden ständig gewartet, wir investieren in diese Netze», sagte E.ON-Energie-Vorstandsmitglied Klaus-Dieter Maubach im ZDF-«Morgenmagazin». Grundsätzlich könne man von einer «sehr guten Versorgungszuverlässigkeit» sprechen.

Ein Experte unterstützte die Einschätzung. «Unsere Netze sind in keiner Weise marode. Die sind in einem absolut tadellosen Zustand», sagte der Oberingenieur am Aachener TH-Institut für elektrische Anlagen und Energiewirtschaft, Christoph Maurer, der dpa. Die Unsicherheiten für den Netzbetrieb seien durch den Stromhandel und durch die Einspeisung von Windenergie gestiegen. So gebe es bei der Einspeisung von Windenergie unvorhersehbare, schnell wechselnde Lastflüsse. «Sie sind nicht exakt prognostizierbar, schwanken relativ stark und es gibt eine wahnsinnig hohe Konzentration von Einspeisung in einem räumlich engen beschränkten Gebiet.» Am Samstag habe es im Nordosten Deutschlands eine starke Windeinspeisung gegeben. Es sei offen, ob das ein Auslöser für den Ausfall gewesen sein könne.

Die Windenergiebetreiber wiesen eine Mitschuld an der Panne ausdrücklich zurück. «Diese Anschuldigen sind nicht nachvollziehbar», sagte der Präsident des Bundesverbandes WindEnergie (BWE), Peter Ahmels. «Weder hatten wir Starkwind, noch eine starke Stromnachfrage wie an Werktagen.» Die von den Windkraftanlagen zur fraglichen Zeit gelieferte Strommenge habe geringfügig unter der Prognose gelegen.

Der Aachener Experte Maurer geht davon aus, dass die Klärung der Ursachen für den Stromausfall noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde. «Was Fakt ist, ist dass sich das europaweit zusammengeschlossene Netz in drei separate Bereiche aufgetrennt hat», sagte Mauerer. Nach der Aufspaltung in drei «Inseln» habe im Westen ein Erzeugungsmangel geherrscht.

Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) der für 80 Prozent des industriellen Energieeinsatzes in Deutschland steht, hat noch keine Informationen zu den Auswirkungen der Stromausfälle auf die Mitgliedsunternehmen.

Politiker verlangten eine lückenlose Aufklärung und mehr Anstrengungen für eine sichere Stromversorgung. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sagte, die Stromkonzerne müssten notfalls müssten «nachsitzen, dass das nicht wieder vorkommt.» Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte, auf dem Strommarkt sei «einiges im argen» und es müsse mehr Wettbewerb geben. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD), verlangte einen Bericht über die Leistungsfähigkeit der Netze. «Es kann nicht sein, dass die Netzbetreiber immer höhere Gewinne machen, die nötigen Investitionen jedoch nur zögerlich vorankommen», sagte Müller der «Passauer Neuen Presse». FDP-Generalsekretär Dirk Niebel verlangte mehr Wettbewerb für deutsche Konzerne aus dem Ausland.

Der Chef des Energieunternehmens EWE, Werner Brinker, warnte vor den geplanten Kürzungen der Netzentgelte. Dann wären die nötigen Investitionen kaum noch möglich.

Über eine europäische Stromnetzbehörde, wie sie der italienische Ministerpräsident und frühere Chef der EU-Kommission, Romano Prodi, vorgeschlagen hatte, gab es keine Einigkeit. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sprach sich dagegen aus. Man brauche aber eine Abstimmung der Aufsichtsbehörden.

Der Bund der Energieverbraucher kritisierte die Stromerzeuger scharf. «Das Stromnetz ist marode, weil zu wenig investiert wird», sagte der Verbandschef Aribert Peters der dpa in Köln. «Wir fallen auf den Stand eines Entwicklungslandes zurück, wenn wir so weitermachen.» Stromausfälle würden sich dann künftig häufen.



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