Angst vor der Zukunft in Kenia
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Pressemeldung von:
ANCOSO Development GmbH
Die Frauen tragen große Säcke mit Kartoffeln, Mais und Kohl auf dem Kopf. Sie sind auf dem Weg in den Slum von Kibera. Ausgebrannte Autowracks und qualmende Reifenstapel am Straßenrand zeugen von den gewaltsamen Unruhen der letzten Tage - und von der brutalen Antwort der Polizei. Drei Männer schieben einen Karren mit Gemüse und Mehl in ihr Elendsquartier, wo es nach den Straßenschlachten am Nötigsten fehlt: an Lebensmitteln. Wie die meisten anderen Stadtteile Nairobis ist Kibera am Mittwoch voller Leben, die ersten Verkaufsstände haben wieder geöffnet. Doch schon am Donnerstag drohen
neue Unruhen: Die Opposition hat zu einer Massendemonstration aufgerufen. Die Slumbewohner wollen sich rechtzeitig mit Vorräten eindecken. «Die Leute sind nervös», sagt Julius Muia, der in Kibera wohnt. Er hat seine Vorratskammer bis oben hin gefüllt. «Morgen werde ich meine Hütte nicht verlassen können», ahnt er.
Dicke schwarze Rauchsäulen waren seit Sonntagnacht aus Kibera und den anderen Armenvierteln in der Hauptstadt aufgestiegen, als Präsident Mwai Kibaki zum Gewinner der Wahl erklärt wurde. Oppositionsführer Raila Odinga sprach von Fälschung. Seine Anhänger überzogen weite Teil des ostafrikanischen Landes mit Gewalt - und die Polizei antwortete mit harten Schlägen. Die Wahlen und deren strittiger Ausgang haben die ethnischen Spannungen offengelegt, die Kenia seit vielen Jahren spalten. Nun stehen die Kikuyus des Präsidenten Kibaki gegen die Luo Odingas. Etwa 300 Menschen kamen in diesen Tagen ums Leben. Am Mittwoch trauen sich in Nairobi die Leute wieder auf die Straße, als ob die Millionenstadt nur auf eine Atempause gewartet hätte. Auf dem Kenyatta-Markt verdoppeln sich die Preise für Obst und Gemüse, Sicherheitskräfte versuchen, Panikkäufe zu unterbinden. Evelyn Muthoni, die Kohl und Mais anbietet, will schnell alles verkaufen, damit ihr kleiner Laden am Donnerstag dicht bleiben kann. Der Nachschub aus den stadtfernen Gebieten ist ohnehin ausgeblieben. «Wir nehmen alles, was wir kriegen können», sagt Hilda Gitonga, die am Mittwoch erstmals seit vier Tagen wieder einkaufen geht. Im Zentrum haben die Banken erstmals wieder geöffnet, lange Schlangen bilden sich vor den Schaltern. Viele Kenianer wollen sich Bargeld besorgen. Andere versuchen in letzter Minute, Überweisungen an Verwandte zu schicken. «Meine Familie hat nichts mehr zu essen. Sie hat kein Geld», sagt Wilson Njage Ojode, der in einer langen Warteschlange steht, um 30 Dollar an seine Schwägerin zu überweisen. «Ich muss das Geld unbedingt losschicken», meint er voller Sorge. «Wir rechnen mit dem Schlimmsten».
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