Analyse: Letzter Vorhang für die Blair-Show
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London (dpa) - Kein Handkuss, kein Kniefall. Aber auch kein Champagner. Der formelle Rücktritt von Tony Blair vor Königin Elizabeth II. war eine sachliche Angelegenheit. Gemocht hat die Queen den Politiker angeblich nie so richtig. Nach ein paar Minuten war alles vorbei. Und Blair (54) und Gattin Cherie (52), die wie stets bei seinen offiziellen Begegnungen mit der Monarchin im Vorzimmer warten musste, fuhren in ihre neue private Freiheit davon. Kaum hatten sie den Palast verlassen, da griff Sir Robin Janvrin, der Sekretär der Queen, zum Handy: «Ihre Majestät erwartet Sie.» Für Gordon
Brown war es ein Anruf, auf den er lange gewartet hatte. Endlich - 13 Jahre nachdem er Blair den Vortritt beim Amt des Labour- Vorsitzenden gelassen hatte und zehn Jahre nachdem Blair Regierungschef wurde - erhielt Brown den Auftrag seines Lebens: Die 81-jährige Queen, die vorher schon zehn andere Premierminister erlebt hatte, bat ihn, die nächste Regierung des Königreichs von Großbritannien und Nordirland zu bilden.
Unmittelbar bevor Brown mit seiner zehn Jahre jüngeren Frau Sarah zur Königin fuhr, erlebte das britische Fernsehpublikum eine vorgezogene Siegesfeier. Der freudestrahlende, siegessichere und ausgelassen lachende Noch-Schatzkanzler schüttelte im und vor dem Finanzministerium - der Basis seiner politischen Macht seit 1997 - hunderte Hände, winkte fröhlichen Menschen zu und wurde lautstark bejubelt. Früher waren die Briten solche Auftritte eher von «Strahlemann» Blair gewohnt. Brown dagegen eilte der Ruf eines «dour Scot», eines mürrischen Schotten, voraus. Das soll sich alles ändern. Der Neue hat nicht nur Imageberater eingespannt. Er hat ein umfangreiches Programm in der Tasche, dass er «wie ein Feuerwerk in den ersten hundert Tagen versprühen dürfte», wie ein Kommentar voraussagte. «Ich werde nun eine neue Regierung zusammenstellen, mit neuen Prioritäten», versprach Brown als er von der Queen kommenden in der Downing Street eintraf. Browns Unterredung mit der Queen hatte deutlich länger gedauert, als die Verabschiedung Blairs nach immerhin zehn Jahren Amtszeit. Nur durch solch kleine Gesten kann die Queen andeuten, wo ihre Sympathien liegen. Eine offene Einmischung in die Politik ist ihr nicht gestattet. Dass die Monarchin keineswegs mit der Irak- Kriegsgefolgschaft Blairs für den bei ihren Untertanen weithin unbeliebten US-Präsidenten George W. Bush einverstanden war, darf vermutet werden. Entsprechende Gerüchte hatten die Runde gemacht, aber eine Bestätigung wird es wohl nie geben. Wie sehr jedoch das Vermächtnis von Tony Blair vom Blutvergießen im Irak überschattet ist, machte auch dessen Abfahrt aus der Downing Street deutlich: Demonstranten - unter ihnen Angehörige von im Irak gefallenen Soldaten - riefen dem scheidenden Premier «Mistkerl» hinterher. Davor war er bei seiner letzten Fragestunde als Premierminister im Unterhaus lautstark wegen seiner Entscheidung kritisiert worden, britische Truppen in den Irak zu schicken. Ihm sei klar, dass einige der Meinung seien, er hätte die Soldaten sinnlos in Lebensgefahr gebracht, räumte Blair ein. «Ich glaube jedoch, sie kämpfen für Sicherheit in diesem Land und in der Welt gegen Menschen, die unsere Lebensweise zerstören wollen.» Da wusste er sich in Übereinstimmung mit US-Präsident Bush. Der hielt den Abschied seines Freundes und Irak-Kriegspartners vom Amt für gut geeignet, gegen ein «Vorurteil» anzugehen: Blair sei keineswegs sein «Pudel» gewesen, erklärte Bush in der Massenzeitung «The Sun»: «Irgendwie wurde unsere Beziehung gesehen, als wenn Bush zu Blair sagt "Spring!" und Blair sagt "Wie hoch?". Aber so läuft das nicht. Es ist eine Beziehung, in der wir sagen, wir beide werden zusammen springen.»
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