Analyse: Iran führt London vor - London (dpa) - Damit hat Mahmud Ahmadinedschad viele überrascht: Selbst im Londoner Krisenstab haben wohl nur wenige geahnt, dass der iranische Präsident nicht nur im Koran zu Hause ist, sondern sich auch mit christlichen Festen auskennt. Die Freilassung der 15 britischen Soldaten erfolge aus Anlass des Geburtstages des Propheten Mohammed am vergangenen Samstag und des Festes der Auferstehung Jesu Christi am kommenden Sonntag, ließ Ahmadinedschad am Mittwoch vor den Kameras der ganzen Welt bei seiner Pressekonferenz in Teheran wissen. Am Gründonnerstag sollten sie von Teheran aus in die Heimat fliegen. Das «große iranische Volk», verkündete der Präsident, habe den britischen Soldaten großmütig vergeben, trotz aller Empörung darüber, dass sie illegal in iranische Gewässer eingedrungen seien. «Diese Begnadigung ist ein Geschenk an das britische Volk», sagte Ahmadinedschad.
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Analyse: Iran führt London vor

2007/04/04 18:03

Pressemeldung von:
ANCOSO Development GmbH
London (dpa) - Damit hat Mahmud Ahmadinedschad viele überrascht: Selbst im Londoner Krisenstab haben wohl nur wenige geahnt, dass der iranische Präsident nicht nur im Koran zu Hause ist, sondern sich auch mit christlichen Festen auskennt. Die Freilassung der 15 britischen Soldaten erfolge aus Anlass des Geburtstages des Propheten Mohammed am vergangenen Samstag und des Festes der Auferstehung Jesu Christi am kommenden Sonntag, ließ Ahmadinedschad am Mittwoch vor den Kameras der ganzen Welt bei seiner Pressekonferenz in Teheran wissen. Am Gründonnerstag sollten sie von Teheran aus in die
Heimat fliegen.

Das «große iranische Volk», verkündete der Präsident, habe den britischen Soldaten großmütig vergeben, trotz aller Empörung darüber, dass sie illegal in iranische Gewässer eingedrungen seien. «Diese Begnadigung ist ein Geschenk an das britische Volk», sagte Ahmadinedschad. Ganz sicher war sie, wenn auch eher unbeabsichtigt, zugleich das beste Ostergeschenk, das Tony Blair je bekommen hat.

Noch wenige Tage vor der wie ein Theaterstück inszenierten Bekanntgabe der Freilassung durch Teheran hatte Blair fürchten müssen, dass die letzten Wochen seiner Amtszeit von einem Geiseldrama mit ungewissem Ausgang überschattet werden könnten. In weiten Teilen der britischen Medien war die «Soldatenkrise» längst als Beleg für eine aus ihrer Sicht völlig missratene Außenpolitik Blairs gewertet worden, deren schwerster Fehler die Beteiligung am Irak-Krieg an der Seite der Amerikaner gewesen sei.

Der konservative «Daily Telegraph» verwies darauf, dass Großbritannien aus der Sicht des Irans der kleine Bruder des «großen Satans USA» sei. Die Briten seien gekidnappt worden, weil sie im Gegensatz zu Soldaten der militärischen Supermacht USA «leichte Beute» gewesen seien. Und das, während sich Blair zusammen mit seinem designierten Nachfolger Gordon Brown mitten in einem für Labour wichtigen Wahlkampf in Schottland befand, bei dem Labour auch wegen des Chaos im Irak nach Jahrzehnten im Norden des Königreichs die Mehrheit verlieren dürfte.

Nun aber kann Blair durchatmen. Manchem mag die Freilassung der «Geiseln» gar als Erfolg britischer Diplomatie erscheinen. Dabei hatten von Anfang an die Iraner das Heft des Handelns in der Hand. Vieles spricht dafür, dass die britische Marine keineswegs auf iranisches Gebiet vorgedrungen ist, wie Teheran nicht müde wurde zu behaupten. Britische Experten wie der frühere Oberkommandierende der Royal Navy, Admiral Sir Alan West, erklärten: «Der Grenzverlauf mag im Schatt el Arab mag umstritten sein, aber gerade deshalb haben sich unsere Boote bewusst in zweifelsfrei irakischen Gewässern aufgehalten.»

Ein Streit aus der Position des Stolzen, der im Recht ist, hätte Blair jedoch eine monatelange «Geiselkrise» bescheren können. Das Gespenst jener demütigenden, 444 Tage währenden Geiselhaft amerikanischer Diplomaten in Teheran 1979/80 ließ grüßen. Zudem spielte die iranische Propaganda skrupellos, aber äußerst geschickt mit der Macht der Fernsehbilder.

Erst die Videos mit - äußerst zweifelhaften - «Geständnissen» von Briten, die trotz ihrer «Schuld» sehr anständig behandelt und gut ernährt wurden. Und dann - wie zum Hohn für die britische Regierung - das Treffen der Briten, die eben noch im Westen als «Geiseln» bezeichnet worden waren, mit Ahmadinedschad höchstpersönlich. Händeschütteln und Lachen, gemeinsam mit dem Mann, den Washington und London seit Jahren verteufeln - und alles übertragen, unter anderem von der BBC - in britische und andere Wohnstuben rings um den Erdball. «Alles Gute für Sie», sagte der Präsident. «Gute Reise!»

Da war fast schon vergessen, dass die Briten gefangen genommen worden waren, kurz bevor der UN-Sicherheitsrat in New York auch auf Betreiben Londons die Sanktionen gegen den Iran verschärft hatte. Damit soll der Iran dazu gebracht werden, auf die Urananreicherung zu verzichten. Was man davon hält, hatte Ahmadinedschad auf derselben Pressekonferenz, auf der er die Freilassung bekannt gab, ganz klar gemacht: «Niemand kann dem Iran das Recht nehmen, sein friedliches Atomprogramm zu verwirklichen.»



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