Analyse: Für die USA wird Pakistan zum Alptraum
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Der Schock sitzt tief. Über drei Stunden brauchte die Regierung in Washington, bis sie am Donnerstag zum Tod von Benazir Bhutto offiziell Stellung nahm. «Ein feiger Akt», sagte Präsident George W. Bush, sprach von «mörderischen Extremisten». Fragen von Journalisten ließ er nicht zu. Pakistan, das Land, das nach seinen Plänen als Bollwerk im Kampf gegen den islamischen Terrorismus dienen sollte, rutscht immer mehr ins politische Chaos. Schon als der pakistanische Präsident Pervez Musharraf Anfang November den Ausnahmezustand ausrief, sprachen Kommentatoren in Washington von einem
«absoluten Alptraum-Szenario». Mit dem Tod der pakistanischen Oppositionsführerin hat sich die Lage in der Atommacht Pakistan dramatisch verschärft.
Kaum war die Todesnachricht um die Welt gegangen, stellten US-Medien kritische Fragen. «Jeder wusste, dass Frau Bhutto ein großes Risiko einging, zum Ziel eines Anschlags zu werden», meinte ein Kommentator des TV-Senders CNN. Kaum verhüllt deutete er an, dass der Schutz der pakistanischen Sicherheitskräfte unzureichend war. Von einem «Sicherheitsvakuum» war die Rede. Bush habe die Rückkehr Bhuttos aus dem Exil im privaten Kreis ausdrücklich befürwortet, auch wenn er ihr öffentlich Unterstützung untersagen musste. Immer wieder hatten Bush und Außenministerin Condoleezza Rice in den vergangenen Wochen Musharraf ermahnt, den Ausnahmezustand aufzuheben und Schritte in Richtung Demokratie zu unternehmen. Die USA machten keinen Hehl daraus, dass allein Wahlen nicht genug seien. Eindringlich forderten sie freie Entfaltung für Kandidaten der Opposition. Zwar nannten sie keine Namen. Doch dass damit Frau Bhutto gemeint war, galt als offenes Geheimnis. Das Verhältnis Washingtons zum Machthaber Musharraf hat sich seit langem abgekühlt. «Das Land ist eine Hochburg der El Kaida», lautet das lapidare Urteil eines US-Fernsehkommentators zur zweifelhaften Bilanz Musharrafs. Trotz großzügiger US-Hilfen ist es dem Ex-General nicht gelungen, den Terrorismus in den Griff zu kriegen. Pakistan - das ist für die USA immer mehr die Atommacht, die kein Gegenmittel zum Abrutschen ins Chaos findet. Zehn Milliarden US-Dollar (sieben Milliarden Euro) ließen die Vereinigten Staaten seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 dem Verbündeten Pakistan zukommen. Doch erst kürzlich sind diese Hilfen in negative Schlagzeilen geraten. Statt sie für den «Krieg gegen den Terror» zu verwenden, berichtete die «New York Times», habe Islamabad die Gelder teilweise umgeleitet - zur Finanzierung von Waffen, die sich gegen den «Erzfeind» Indien richteten.
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