Kunstvolle Einblicke in die "Russische Seele"
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Pressemeldung von:
Frank-Michael Rall
Rund 150 herausragende Arbeiten aus insgesamt 150.000
Werken der renommierten Tretjakow-Galerie in Moskau präsentiert die anspruchsvolle Ausstellung "Russische Seele" in der Bonner Bundeskunsthalle. Die teilweise erstmals ins Ausland verliehenen Gemälde, Ikonen und Zeichnungen stammen aus der Sammlung des 1898 verstorbenen Kaufmanns Pawel Tretjakow, dessen berühmte Bildergalerie zeitgenössischer russischer Künstler im vergangenen Jahr ihren 150. Geburtstag gefeiert hatte. Dabei spannt sich der Bogen von der höfischen Kultur des späten 18. Jahrhundert bis zu den
unterschiedlichen Kunstpositionen um die Wende zum 20. Jahrhundert. Die bis 26. August terminierte Schau zeichnet die Entwicklung einer national geprägten russischen Kunst im Spannungsfeld zwischen der gesamteuropäischen und der eigenen kulturellen Tradition nach.
Der äußerst wohlhabende Kunstmäzen Tretjakow schätzte vor allem die junge Generation der realistischen Maler wie Ilja Repin, Iwan Kramskoi, Wassili Polenow oder Nikolai Gehe, deren rebellisches Schaffen einen Schwerpunkt der Ausstellung bildet. Die als "Wanderer" titulierten Künstler wollten mit sozialkritischen Szenen aus dem Leben der russischen Gesellschaft sowie lyrischen Landschaftsdarstellungen das "wahre Russland" repräsentieren. Dabei ragt beispielsweise die monumentale "Kreuzprozession im Gouvernement Kursk" des späteren finnischen Staatsbürgers Repin besonders heraus. Auch eindrucksvolle Porträts der Schriftsteller Leo Tolstoi oder Fjodor Dostojewski dürfen nicht fehlen. In einer eigenen Abteilung beleuchtet eine Auswahl von 25 kostbaren Ikonen - der älteste Gegenstand stammt aus der Zeit vor dem Mongolenkrieg 1237 - die spirituellen Quellen der russischen Ästhetik. Die Umbruchsituation der Jahrhundertwende offenbart sich in der Vielfalt künstlerischer Positionen, beginnend mit dem Symbolismus von Michail Wrubel und Wiktor Borissow-Mussatow. "Wir wollen aufzeigen, woraus der Kern der künstlerischen Seele im riesigen Zarenreich bestanden hat. Dabei zählte es zu einer Vorliebe von Tretjakow, oftmals die jungen Talente den großen akademischen Meistern vorzuziehen. Bei der letztlich getroffenen Zusammenstellung haben wir uns an den Bedürfnissen des westeuropäischen Publikums orientiert", erläutert Kuratorin Agnieszka Lulinska. Ein Komplex setzt sich mit den Phänomenen der Romantik und des Biedermeiers intensiv auseinander. Die meist kleinformatigen und intimen Szenen des alltäglichen Lebens zeugen vom damals praktizierten Rückzug ins Private als verbindlicher Lebensphilosophie. Die italienischen Landschaften eines Silvester Schtschedrin oder Michail Lebedew belegen dagegen, dass auch russische Künstler die allgemeine Italienbegeisterung dieser Zeit teilten und dank großzügiger Stipendien der Kaiserlichen Kunstakademie in St. Petersburg viele Jahre lang in Rom, Neapel und an der Amalfi-Küste leben und arbeiten konnten.
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