Künstliche Kiemen für Taucher
|
Pressemeldung von:
Andreas List
System extrahiert Atemluft aus Wasser
Der israelische Erfinder Alon Bodner hat ein Unterwasser-Atmungssystem entwickelt, das den Sauerstoff direkt aus dem Meerwasser extrahiert. Taucher sollen sich damit ohne Pressluftflasche ins Wasser wagen können. LikeAFish http://www.likeafish.biz, wie das Gerät getauft wurde, ist eine batteriebetriebene künstliche Lunge, die sowohl Taucher, U-Boote als auch Unterwasser-Habitate mit Atemluft versorgen soll. LikAFish arbeitet mit einer Hochgeschwindigkeits-Zentrifuge, um den Wasserdruck in einem kleinen dichten Tank stark zu
reduzieren. Dadurch kann die im Wasser gelöste Luft in den gasförmigen Zustand übergehen. Der Vorgang ist vergleichbar mit dem Entweichen von Kohlensäure durch den Druckabfall beim Öffnen einer Limonadenflasche. Die auf diese Weise gewonnene Luft wird zu einem Tank geleitet, von dem aus der Taucher versorgt wird.
Bodners System pumpt 200 Liter Wasser pro Minute durch den Extraktionskreislauf, um die Menge an Atemluft zu erreichen, die eine durchschnittliche Person verbraucht. Ein Liter Wasser enthält zwischen 1,5 bis 2,5 Prozent Luftanteil, 34 Prozent davon ist Sauerstoff. "Der Taucher ist nicht mehr von der Größe der Pressluftflasche abhängig, sondern von der Batterie, die LikeAFish mit Energie versorgt", sagte Bodner der BBC. Eine Batterie mit dem Gewicht von einem Kilogramm reiche für eine Stunde Tauchzeit aus. Derzeit gibt es die Apparatur lediglich als Labormodell, jedoch ist die Ausstattung eines Unterwasser-Habitats in Australien mit dem alternativen Luftversorger schon in Vorbereitung. Bodner beabsichtigt das System noch zu verkleinern, um es in eine Taucherweste integrieren zu können. In zwei Jahren will er einen funktionsfähigen Prototypen präsentieren. Mike Rowley, National Instructor vom britischen Sub-Aqua Club http://www.bsac.com , gibt sich jedoch skeptisch: "Bodner geht davon aus, dass ein Taucher mit einem geschlossenen System nur einen Liter Luft pro Minute braucht. Dies ist aber kein absoluter Wert. Bei körperlicher Anstrengung, beispielsweise beim Anschwimmen gegen starke Strömung, steigt der Verbrauch auf 3,5 Liter an." Zudem sei zu bedenken, dass es so genannte tote Zonen in Gewässern gibt, wo die Luftsättigung des Wassers gering oder die Schadstoffkonzentration sehr hoch ist. "Das Gerät benötigt zumindest eine Art von Reserve, um erhöhten Verbrauch beziehungsweise die Versorgungslöcher zu überbrücken", so Rowley. Bodner ist sich der noch zu lösenden Probleme bewusst. Er sieht die erste praktische Anwendungsmöglichkeit bei Habitaten unter Wasser. Diese könnte mit seiner Entwicklung von der Oberflächenversorgung mit Atemluft unabhängig gemacht werden, so der Erfinder.
Kontakt zum Autor des Artikels:
E-Mail:
Kontakt aufnehmen
|
zurück zur Kategorieseite: Wissenschaft / Naturwissenschaften
Dieser Artikel wurde 422 Mal gelesen
Andere Artikel dieses Autors:
- Onlineportal verschenkt Programme in der Vollversion
- Brancheninitiative will Handyfotos verbessern
- EM und Olympische Spiele ziehen Onlinekriminelle an
- Forscher vergrößern biegbare Displays auf 10,4 Zoll
- Indoor-Navisystem lotst Feuerwehrleute durch Gebäude
- "w00t" - Internet-Slang siegt bei US-Wahl zum Wort des Jahres
- VMware rüstet sein Flaggschiff "Infrastructure" auf
- Flirt-Service entpuppt sich als Datenspion
- Hacker-Studenten: Deutsche und Österreicher top
- NFC: Mobilfunkbranche treibt kontaktloses Bezahlen voran
- mehr...