Krankenkassen: Gewechselt wird nur bei Prämienanstieg
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Pressemeldung von:
Claude Weill
Comparis-Studie zeigt Rückgang auf
Seit Einführung des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) in der Schweiz haben noch nie so wenig Versicherte die Krankenkasse gewechselt wie im Jahr 2007. Eine Umfrage des Internet-Vergleichsdiensts comparis.ch http://www.comparis.ch bei den 35 mitgliederstärksten Krankenkassen zeigt, dass nur 170.000 Personen für die obligatorische Grundversicherung die Krankenkasse gewechselt haben. Im Vergleich zum Jahr 2006 ist dies ein Rückgang von rund 30.000 Personen. Die Wechselquote ist mit 2,3 Prozent so tief wie noch nie seit Einführung des
Krankenversicherungsgesetzes (KVG) im Jahr 1996. Die befragten Krankenkassen repräsentieren zusammen mehr als 95 Prozent der Versicherten. "Viele Leute haben keinen Grund gesehen, ihre Krankenkasse zu wechseln, weil die Prämien so wenig wie noch nie gestiegen sind", erklärt Richard Eisler, Geschäftsführer von comparis.ch, im Gespräch mit pressetext die niedrige Wechselquote. "Man reagiert nur auf Prämienaufschläge. Auch wer in einer vergleichsweise teuren Kasse ist, bleibt ohne zusätzlichen Prämienerhöhungen der Kasse treu", weiss Eisler.
Bis 25 Prozent Prämien sparen kann man mit alternativen Versicherungsmodellen. Diese Botschaft ist offenbar angekommen. Zwei Drittel der Offertanfragen über comparis.ch im Jahr 2006 betrafen alternative Versicherungsmodelle. Vor allem bei Hausarzt- und Telmed-Modellen haben die Krankenkassen auf 2007 hin grossen Zulauf verzeichnet. Der Anteil an Personen in alternativen Versicherungsmodellen beträgt 16 Prozent und liegt damit bei 1,17 Millionen. "Steigt die Zahl der Versicherten in alternativen Versicherungsmodellen weiterhin jährlich um rund 30 Prozent an, wird die Diskussion über die Aufhebung des Kontrahierungszwangs bald überflüssig", meint Richard Eisler. "Wenn der Anteil der Versicherten in alternativen Versicherungsmodelle in zwei, drei Jahren 30 Prozent erreicht haben wird, werden viele Ärzte von sich aus den Anschluss an ein alternatives Versicherungsmodell suchen", ist Eisler überzeugt. Und die Krankenkassen würden sich dann ihre Vertragspartner unter den Ärzten aussuchen können. Bei den einzelnen Krankenkassen gibt es zum Teil erhebliche Verschiebungen bei den Mitgliederzahlen auf das Jahr 2007 hin. Anteilsmässig am meisten Versicherten gewonnen haben Aerosana und Avanex. Beide Kassen gehören zur Helsana-Gruppe, die mit total 1,3 Mio. Versicherten weiterhin die grösste Versicherungsgruppe ist. Zur Helsana-Gruppe gehören neben diesen beiden auch Progre_s, Sansan und Helsana. Das Wachstum der gesamten Gruppe beträgt drei Prozent. Weniger rosig sieht es bei der Hauptkasse aus: Helsana hat auf das Jahr 2007 hin 5,5 Prozent Versicherte verloren. Dafür haben ausnahmslos alle Tochterkassen mehr Versicherte als vor Jahresfrist. Besser sieht die Bilanz bei der CSS aus. Gemäss Schätzungen liegt der Mitgliederverlust bei weniger als einem halben Prozent. CSS bleibt damit mit 957.000 Versicherten die mitgliederstärkste Einzelkasse. Als Gruppe konnte CSS mit den Kassen CSS, Arcosana und Auxilia Volle_ges bei den Mitgliederzahlen mit einem Plus von 1,6 Prozent leicht zulegen und hat erstmals die Grenze von über einer Mio. Versicherten überschritten. Arcosana konnte sogar ihren Bestand beinahe verdoppeln. Als Mitglied einer grossen Versicherungsgruppe bereitet ein solches Wachstum der Administration kein Problem. Die Mehrkassenstrategie funktioniert allerdings nicht jedes Jahr, wie das Beispiel der Groupe Mutuel zeigt: Die Mitgliederzahl verharrt 2007 bei 836.000. Und das, obwohl Groupe Mutuel im vergangenen Sommer angekündigt hat, 100 Mio. Franken Eigenmittel zugunsten einer geringeren Prämienerhöhung einzusetzen. Von den fünf grössten Krankenkassen ist Swica die einzige, die auf das neue Jahr hin an Mitgliedern zulegen konnte. Zurückzuführen ist dieses seit Jahren stabile Wachstum auf die konsequente Ausrichtung auf alternative Versicherungsmodelle. Swica weist mit über 50 Prozent den höchsten Anteil an Versicherten in alternativen Versicherungsmodellen auf. Auch bei Visana hat das Hausarztmodell zu mehr Mitgliedern geführt. Mit einem Plus von zwölf Prozent verzeichnet Provita das grösste Mitgliederwachstum einer Krankenkasse, die nicht in einem Verbund organisiert ist. Erfolgsrezept war - wie bei Swica - die Ausrichtung auf alternative Versicherungsmodelle. Auf den Zug aufgesprungen sind auch Krankenkassen, die bis vor kurzem alternative Versicherungsmodelle strikt ablehnten wie Groupe Mutuel oder Assura. Letztere hat zusätzlich die Prämien auf breiter Front gesenkt. Auch andere Krankenkassen haben auf das Jahr 2007 hin ihre Prämien gesenkt oder neue, günstigere Prämien eingeführt. Dadurch ist im Jahr 2007 das Sparpotenzial eines Kassen- und Modellwechsels so hoch wie noch nie. Drei von vier Erwachsenen könnten 500 Franken oder mehr bei den Prämien sparen. Versicherte mit der Minimalfranchise von 300 Franken und traditioneller Grundversicherung haben noch bis Ende März 2007 die Gelegenheit, ihre Krankenkasse per Ende Juni 2007 zu kündigen und zu einer günstigeren Kasse zu wechseln. Alle anderen Versicherten müssen bis zum Herbst warten, um die Krankenkasse, das Versicherungsmodell oder die Franchise zu wechseln.
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