Ins Verborgene sehen
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Pressemeldung von:
Rolf Höneisen
Moderne Mikroskope und Teleskope zeigen uns die Schönheit des Lebens und des Universums auf atemberaubende Weise.
Ein Olivenblatt scheint es nicht wert, aufgehoben und betrachtet zu werden. Dem blossen Auge bietet es nichts Spektakuläres. Achtlos bleibt das Blatt liegen. In den vergangenen Jahrzehnten machte die Mikroskoptechnik so grosse Fortschritte, dass das Olivenblatt inzwischen genauer betrachtet werden kann. Sein verborgenes Design – vor allem die Beschaffenheit der Blattoberfläche – verblüfft! Unter dem Elektronenrastermikroskop, 300-fach
vergrössert, entpuppt sich das Blatt als Meisterwerk an Funktion und Design. Seine Oberfläche besteht aus lauter schirmförmigen Schuppen. Ihnen verdanken es die Olivenbäume unter anderem, dass sie auch in trockenem Klima gedeihen, wo andere Bäume gar nicht wachsen können. Die Schuppen halten die feuchte Luft über der Blattoberfläche fest und verlangsamen so den Wasserverlust. Durch Spaltöffnungen (Stomata) atmet das Blatt.
Legt man ein Pollenkorn des Knöterichs (Polygonum) unter ein Rasterelektronenmikroskop, erkennt man, dass seine Oberfläche aus lauter Säulen besteht. Einige davon sind an den Spitzen verbunden und bilden Mauern, die wiederum ein Muster ergeben. Andere stehen alleine und formen einen Wulst. So entsteht eine raue Oberfläche. Wozu sie gut ist? Sie trägt mit dazu bei, dass die Pollen an bestäubenden Insekten hängenbleiben. Das Blatt einer Rosenblüte scheint glatt zu sein. Bei 2300-facher Vergrösserung wird man eines Besseren belehrt: Auf der Oberfläche reiht sich ein Hügel an den anderen. Es sind zelluläre Ausbeulungen, die mit Wachs bedeckt sind, was den Flüssigkeitsverlust vermindert. Olivenblatt, Pollenkorn und Rosenblüte sind zwei von über dreihundert Fotografien im Band "Himmel & Erde. Verborgene Welten" (Phaidon Verlag, Berlin). Darin finden sich Bilder von den kleinsten Partikeln auf der Erde bis hin zu den entferntesten Planeten. Winzige Lebewesen lassen sich heute genauso sichtbar machen wie ferne Sonnensysteme. Die Schönheit des Universums und des Lebens sind atemberaubend festgehalten. Die grossformatigen Aufnahmen vermitteln spezielle Blicke auf das Wunder der Schöpfung und werden mit Bildlegenden erklärt. Der Fliesstext beschränkt sich auf das Vorwort des Astrofotografen David Malin. Im Anhang finden sich kurze Begriffserklärungen. Schade, dass hin und wieder Daten und Erklärungen aus der Evolutionstheorie erwähnt werden. Sie hätten ohne Verlust für das Buch weggelassen werden können. Die Reihenfolge der Bilder entspricht der Grösse und Entfernung der Motive zur Erde. Sie werden zudem nach den verwendeten technischen Hilfsmitteln gruppiert: Mikroskop, Röntgengerät, Satellit, Teleskop und weitere mehr. Interessant sind auch Satellitenaufnahmen prägnanter Städte und Regionen. Infrarotaufnahmen lassen die Vegetation erkennen. Die Genauigkeit, mit der wir aus dem All fotografiert werden können, ist erstaunlich. Beispielsweise ist die Grenze zwischen Israel und Ägypten als gerader Strich auszumachen. Diese Linie trennt die unbebaute, trockene ägyptische Sinaiwüste im Süden vom bewässerten Land im Norden. Wirbelstürme von oben betrachtet, Teilgebiete der Erde, wie sie sich aus dem Weltraum präsentieren, faszinieren, und dann auch der tiefe Blick ins All mit den Planeten und Sternen. Der Blick auf unsere Sonne zeigt die Unruhe, die auf diesem Gasball herrscht. Immer wieder schiessen glühende Gaswolken explosionsartig in die Höhe, bevor sie wieder in sich zusammenfallen. Weiter geht der Blick hin zu den fernen Galaxien, beispielsweise zum Orionnebel in 1500 Lichtjahren Entfernung von der Erde. Der Orionnebel ist mit blossem Auge zu erkennen und wird sogar in der Bibel erwähnt. Im Buch Hiob stellt Gott Fragen nach dem Urheber der Schöpfung, unter anderem diese: "Knüpfst du die Bänder des Siebengestirns, oder löst du die Fesseln des Orion? Kannst du die Tierkreisbilder hervortreten lassen zu ihrer Zeit und den Grossen Bären leiten samt seinen Jungen? Hast du die Ordnungen des Himmels erkannt, oder bestimmst du die Herrschaft auf der Erde?" (Hiob 38,31 bis 33). Der Bildband "Himmel & Erde. Verborgene Welten" ist etwas ganz Besonderes. Liebhaber der Schöpfung werden ihn nicht so schnell weglegen und ihm anschliessend einen Ehrenplatz im Regal einräumen.
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