China: Sex als häufigster HIV-Überträger
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Pressemeldung von:
Georg Eckelsberger
Krankheit wandert von Risikogruppen ins Zentrum der Gesellschaft. Ungeschützter Geschlechtsverkehr steht in China erstmals auf Platz eins der Rangliste der häufigsten HIV-Übertragungsarten und überholt damit Drogenmissbrauch und Bluttransfusionen. Von den 70.000 Neuinfektionen im Jahr 2005 wurden beinahe die Hälfte durch ungeschützten Sex verursacht. Damit rückt das Aids-Problem erstmals von den Risikogruppen ins Zentrum der Gesellschaft. Nach Schätzungen sind bereits 650.000 Chinesen erkrankt - die Dunkelziffer könnte weit höher liegen. "Bis vor drei Jahren wurde das Problem von
Seiten der Regierung überhaupt totgeschwiegen. Aids gab es offiziell nicht", so Agnes Schick-Chen, China-Expertin der Universität Wien, im Gespräch mit pressetext.
Erst als durch Bluttransfusionen in einzelnen Gebieten des Landes eine sehr hohe Zahl von Neuinfektionen verursacht wurde, kam die Thematik ans Licht der Öffentlichkeit. "Grundsätzlich gibt es in China aber sehr große Unterschiede zwischen den Verhältnissen am Land und in den großen Städten", gibt Schick-Chen zu bedenken. Während die Gesundheitsversorgung in den ländlichen Gebieten privat organisiert sei, gäbe es in den Städten ein staatliches System samt Krankenversicherung. Die neue Statistik zwingt die chinesische Aids-Prävention, die sich in der Vergangenheit auf Risikogruppen konzentriert hatte, nun die gesamte Gesellschaft anzusprechen. Die chinesische Bevölkerung zeigt sich in Bezug auf das Thema Sex jedoch zu großen Teilen noch immer sehr konservativ. Ungeachtet dessen änderte sich das sexuelle Verhalten der Menschen in den vergangen Jahren. Dies ist einerseits auf den wachsenden Einfluss von außen zurückzuführen - andererseits auf Millionen von meist männlichen Wanderarbeitern in den großen Städten. Studien zeigen, dass in China jeder zehnte sexuell aktive Mann bereits eine Prostituierte aufgesucht hat. In Österreich gab es nach Information der Aids-Hilfe im Jahr 2006 insgesamt 442 Neuinfektionen. Auch hier sind die meisten Infektionen auf ungeschützten Geschlechtsverkehr zurückzuführen - 42 Prozent durch heterosexuelle Kontakte. Intravenöser Drogenkonsum macht 20,5 Prozent aus.
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